John Cheever: Die Lichter von Bullet Park

verfasst am 02.05.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Cheever, John

Sonnntag Nachmittag. Alte Filme mit Doris Day, Rock Hudson, Tony Randall. Glückliche Vorstadtidylle in den USA in den 1950er und 1960er Jahren. Im Gegensatz dazu John Cheevers Vorstadtroman aus dem Jahr 1969: auf den ersten Blick wie ein Heile-Welt-Film bevor dann der Blick hinter die Fassaden fällt.

Die Nailles wohnen schon länger hier: Eliot und Nellie, ihr Sohn Tony und die Hündin Tessie. 3 Morgan Land rund um das Haus und das Haus so, wie man es erwarten würde, ganz ohne Eigenheiten, alles an seinem Platz.

Paul Hammer und sein Frau sind neu in Bullet Park, dem New Yorker Vorort. Gerade erst sind sie hierher gezogen.

Die Kulisse: beschaulich, die Kirche am Snntag als Begegnungsort, gelegentliche gegenseitige Einladungen zum Barbecue.

Wäre da nicht der Abgrund, der in beinahe jedem Menschen lauert, stets bereit, das Dunkel zu verlassen und die Regie über das Leben zu übernehmen. Oft kann man verstehen, was warum geschieht, wenn man nur einen Blick in die Vergangenheit des Einen wirft. Oft aber geschehen Dinge und man kann trotz Einsatz aller zur Verfügung stehenden Hilfsmittel nicht erfahren, warum.

Die Nailles und die Hammers haben das alles: nach außen die Beschaulichkeit, nach innen die Geister, die sie nicht los werden.

Der Roman ist in scharf getrennte Abschnitte aufteilt. Teil eins hat die Nailles zum Inhalt. Hier schafft es Cheever, ganz großartig die Figuren zu zeichnen, sie entwickeln sich, es entstehen Bilder. In Teil zwei dann wird es für mein Empfinden übermäßig konfus. Mit der Beschreibung von Paul Hammers Herkunft und Leben schafft Cheever es, mich erstens zu verwirren und zweitens meine aus dem ersten Teil begründete Begeisterung beinahe zur Gänze zu zerstören.

Toll und greifbar zu Beginn, ausschweifend und konstruiert zum Ende. Schade.


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