Joël Dicker: Die Geschichte der Baltimores

verfasst am 30.08.2016 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Dicker, Joël, Romane

Die Baltimores: das ist der Zweig der Familie Goldman, die sich in Baltimore nieder gelassen hat und dort zu Ruhm, Wohlstand und Einfluß kam. Der Familienzweig, der in Montclair lebt, ist dagegen weit weniger erfolgreich, weniger strahlend; so jedenfalls erscheint es Marcus, dem Sohn der „Montclairs“, der jede freie Minute in Baltimore verbringen möchte, bei seinem geliebten Onkel Saul, seiner schönen und liebevollen Tante Anita, seinem Cousin Hillel und bei Woody, der bei den Goldmanns Aufnahme fand.

So beginnt der Roman über die Geschichte einer Familie im Amerika rund um den Jahrtausendwechsel. Alles scheint fest gemauert, alles scheint auf ewig an seinem, ihm zugewiesenen Platz zu sein und die ihm zugewiesene Rolle zu spielen.

Aber wir befinden uns im Heute und diese Blick auf das perfekte Leben der Baltimores ist ein Blick in die Vergangenheit. Marcus, nun gefeierter Schriftsteller, lernt erst jetzt, beinahe 10 Jahre nachdem alles zu Ende gegangen war, die Wahrheit kennen.

„Die Baltimores“ ist ein fesselnder Familienroman, in dem der Unterschied zwischen dem was scheint und dem was war und dem was ist zur gänzlichen Umkehr des bislang als Wahrheit geglaubten Wissen führt.

Die Baltimores und die Montclairs haben eine Vergangenheit, die so ganz anders ist, als Marcus sie sich vorstellte; anders, viel umfangreicher, viel differenzierter als er sie als Kind und als Jugendlicher erlebte. Als er die Hinterlassenschaften seines verstorbenen OnkelS durchforstet, als er nach Jahren wieder mit Alexandra, seiner immerwährende Liebe, spricht, da fügen sich viele Elemente zu einer ganz anderen Realität zusammen, als er es selbst damals sah.

Im Wechsel aus Gegenwart und Rückschau entsteht eine ungemein fesselnde Geschichte, deren 500 Seiten viel zu schnell gelesen sind. Alles passt dabei wie selbstverständlich ineinander und das, was Marcus erst jetzt erfährt, ist wie ein Schlüssel, der ganz genau das Schloß einer kaum erkennbaren und gerade erst entdeckten Türe passt. Das Öffnen der Türe verändert das Bild der Vergangenheit, macht sie aber zugleich erst wirklich kalr.

Sollte man unbedingt lesen.


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