Andreas Pittler: Der göttliche Plan

Andreas Pittler ist einem breiteren Publikum durch seine Krimis rund um den jüdisch-stämmigen Polizeiermittler David Bronstein bekannt und als solcher hat er sich mittlerweile einen fixen Platz in der deutschsprachigen Krimiszene und ebenso in den heimischen Bestsellerlisten erschrieben. Mit “der göttliche Plan” nähert sich der studierte Historiker seinem eigentlichen Betätigungsfeld an und legt ein mit 850 Seiten durchaus als epochales Werk zu bezeichnendes Oeuvre vor, das seine Stärken schon in der ersten Szene unter Beweis stellt.

Wir befinden uns im Jahr 1617 in einem durch die Glaubensfrage gespaltenen Europa. Der Papst schickt einen Emissär nach Wien, um beim deutsch-römischen Kaiser Matthias und vor allem seinem von Machhunger getriebenen Kardinal Khlesl nach dem Rechten zu sehen. Die Wahl fällt auf Bruder Andreas (Andrew), einen Jesuiten, der auf eine nicht minder bewegte Geschichte zurückblicken kann.

Er stammt aus dem irischen Adel und hat bis vor etwas über zehn Jahren den katholischen Glauben mit dem Schwert gegen die sein Land okkupierenden ketzerischen Engländer verteidigt. Doch der irische Aufstand wird nach anfänglichen Erfolgen letztlich von der Übermacht der Engländer erdrückt, alle seine Lieben werden niedergemetzelt und Andrew o Connor muss an der Seite seines Königs, des O’Neill flüchten und landet letztlich in Rom, wo er sich der Kirche zuwendet und eben in den Orden der Jesuiten eintritt.

Gleichzeitig wird ein Aufstand in Olmütz niedergeschlagen und einer der intellektuellen Führer der Olmützer Protestanten, der Theologe und Prediger Cerny, wird verhaftet und zum Prozess nach Wien geführt, wo er auf Khlesls Anweisung hin vom päpstlichen Emissär verhört werden soll. Im Zuge dieses “Verhörs”, das sich bald zu einem Disput über Kirchenfragen entwickelt, setzt Pittler eines der Kernthemen seines Buchs an. der Frage ob es überhaupt einen “richtigen” Glauben geben kann.

Er zitiert die Urväter der christlichen Kirche über Thomas v. Aquin oder Augustinus, um nur einige zu nennen. Andrew ist von dem Wunsch beseelt, Cerny mit Argumenten zu überzeugen zu widerrufen, weil ihm der Mann sympathisch ist und er ihn vor dem sichern Tod retten möchte. Doch bald muss er feststellen, dass hier kein fairer Prozess stattfinden wird. Als dann Nicholas Parke, der Schlächter des englischen Kommandos aus Irland in Wien zum englischen Botschafter berufen wird, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu. Andrew wird auf die Probe gestellt und beginnt hinter den göttlichen Plan zu blicken, während Europa unaufhaltsam auf den 30jährigen Krieg zusteuert.

Pittler schildert sehr eindrucksvoll das Zeitgeschehen in düsteren Bildern. Die Welt ist finster und dreckig, die Menschen rülpsen und furzen oder sind den Weibern zugetan um der Sünde zu frönen. Auch Herrscher haben Potenz- oder Verdauungsprobleme und von den mannigfaltigen Hinrichtungsarten ist erhängen noch die Gnädigste, weil sich der Delinquent mit Glück das Genick bricht.
Wer in der Schule kein Fan von Geschichte war, dem wird dieses Buch besonders ans Herz gelegt, denn selten erlebte ich diese so griffig und klar dargestellt. Zusammenhänge, die mir kein Lehrer eröffnen konnte, bekommen nun ein klares Gesicht.

Ganz eindeutig 5 Sterne, die hochverdient sind.


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