Karine Giebel: Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir

verfasst am 14.09.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Giebel, Karine, Thriller

Auf der ersten Umschlagseite steht als Fußnote „ein meisterhafter Thriller, der die Nerven seiner Heldin und die der Leser zum Zerreißen spannt“.

Meine Nerven haben die Schilderungen ziemlich leicht ausgehalten. Allerdings Cloe, die ehrgeizige, anscheinend in ihrem Beruf eiskalte Frau – sie arbeitet in einer Werbeagentur, mit dem Anspruch, nach dem Austritt des derzeitigen Chefs, die Geschäftsführung zu übernehmen – ist nur noch ein Nervenbündel. Sie vermeint, von einem Schatten, einem Mann, vollkommen schwarz gekleidet, verfolgt zu werden.

Ist es Einbildung, ist es ein Trugbild, Ihr Geliebter Bertrand (eine etwas zwielichtige Figur) und Ihre Freundin wollen sie davon überzeugen, dass sie überarbeitet ist, alles nur ein Resultat ihres beruflichen Stress ist.

Zwischendurch lernen wir den Hauptkommissar Alexandre Gomez kennen, einem im Dienst oft sehr brutalen Polizisten, privat jedoch ein sensibler Mann, der in inniger Liebe mit seiner todkranken Frau Sophie verbunden ist. Nach ihrem Tod bricht für ihn eine Welt zusammen, er würde Sophie am liebsten in den Tod folgen, er hegt Selbstmordgedanken. Sein Mitarbeiter, Kommissar Laval, versucht ihm beizustehen, und ihn wieder in die reale Welt zurückzuholen.

Bertrand hat Cloe mittlerweile kalt abserviert, sie leidet fürchterlich darunter, vernachlässigt ihren Beruf und hegt ebenfalls Selbstmordgedanken.

Die Autorin fügt zwischendurch immer wieder Texte ein, die dem kranken Hirn des Schatten, des Verfolgers entsprungen sind, und darauf hindeuten, dass er Cloe vernichten will.

In Alexandre Gomez findet sie Gott sei Dank einen Polizisten der ihr Glauben schenkt. Vor einiger Zeit gab es einen ähnlichen Fall, an den sich Gomez erinnert. Er folgt den Spuren der damals verfolgten Frau. Seine Recherche bringt ihn zu der Erkenntnis, dass dieser Frau genau das angetan wurde wie jetzt Cloe.

Und so geht es weiter, Schatten, Überfall, Probleme im Büro, nichts wird es mit dem Chefposten und Gomez? Er erntet trotz seiner Fürsorge und Hilfe von Cloe großteils nur Agression, Zynismus, Arroganz usw. Aber es kommt wie es anscheinend kommen muss, die beiden landen im Bett.

Und so geht es weiter – Cloe schwankt zwischen Hysterie und Hilflosigkeit, Alexandre bekommt weiterhin Weinkrämpfe, Laval – der bei einem Polizeieinsatz lebensgefährlich verletzt wurde – liegt im Koma. Alexandre wird wegen dieses beinahen Todes von Laval von Schuldgefühlen geplagt. Er beginnt über die Genesungsfortschritte von Laval ein Tagebuch zu schreiben. Er ergänzt seine Aufzeichnungen, wie sich später herausstellt, mit den Ergebnissen seiner Untersuchung zu dem Verfolger von Cloe – dem Schattenmann. Diesem begegnet er nach einiger Zeit unfreiwillig, was Alexandre gar nicht bekommt.

Letztendlich gibt es am Ende des Buches einige Leichen und den genesenen Laval, der anhand des Tagebüchleins von Alexandre die Lösung findet.

Karine Giebel’s Thriller ist in einer unprätentiösen Sprache geschrieben, leicht lesbar und für meine Begriffe teilweise langatmig. Die Beschreibung der Charaktere wiederholt sich immer wieder. Die Zwischentexte des „Schattenmannes“ sind mir zu banal und tragen nicht zur Erhöhung der Spannung bei. Alles in allem ein Buch, das mich nicht überzeugt hat. Da habe ich schon viel bessere Thriller gelesen.

Gegruselt habe ich mich kein einziges mal. Aber trotzdem ein ganz unterhaltsames Buch. Auch wenn es meiner Meinung nach etliche Seiten weniger bedurft hätte. Das wäre sicher der Spannung der Geschichte zuträglich gewesen.


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