Ted Chiang: Das wahre Wesen der Dinge

Das wahre Wesen der DingeElemente der Science Fiction findet man; die Geschichten, die Ted Chiang schreibt, nur über dieses Genre zu definieren, würde aber bedeuten, dass man sie auf einen einzigen Aspekt eingrenzt. Tasächlich aber vereinen sie ganz viele, ganz unterschiedliche Aspekte und entziehen sich damit einer eindeutigen Zuordnung. Nur dieser nicht: spannend zu lesen, überraschend und empfehlenswert auch für Nicht-SF-Fans.

Es sind acht Erzählungen, die nicht in die Weite des Weltraumes führen, sondern in die Tiefe des Gehirnes und der Gedanken. Und Ted Chang führt damit wirklich sehr überzeugend vor, dass man für die Zukunft auch ganz ohne Raumschiffe, Aliens und entfernte Galaxien auskommt.

Meine Highlights daraus:

  • Verfahren
    Es ist eine ganz neue Therapie, die nach Gehirnverletzungen angewendet wird. Doch dabei wird nicht nur der alte Zustand wieder hergestellt, die Fähigkeiten steigern sich ins schier unermessliche. Hier zeigt sich, wie unterschiedlich man mit den neuen Fähigkeiten umgehen kann. Genau so, wie heute der menschliche Verstand zu so unterschiedlichem wie Gier und Menschlichkeit im Stande ist.
  • Geteilt durch Null
    Wenn man beweisen kann, dass alles, was man über die Mathematik weiß, falsch ist, wie soll man da nicht am eigenen Verstand zweifeln. Eine Geschichte, in der ein mathematischer Beweis mit den Mitteln der Literatur geführt wird.
  • Was von uns erwartet wird
    Ist unser Leben vorherbestimmt oder leben wir es selbst?  Diese nur 4 Seiten lange Geschichte birgt vielleicht eine Antwort.
  • Der Lebenszyklus von Software-Objekten
    Eine Geschichte über so etwas wie Tamagotchi 2.0. Als interaktive und lernfähige digitale Wesen – Digis – erschaffen, sind sie als ein Art Mischung aus Haustier und Kind (und Ersatz für beide) erfunden worden. Sie leben in einer Erdsimulation im Cyberspace, neue Versionen kommen hinzu, Menschen arbeiten mit ihnen, trennen sich von ihnen. Und die Digis entwickeln gelegentlich ganz eigene Vorstellungen.
  • Daceys vollautomatisches Kindermädchen
    Warum es sich nicht durchsetzen konnte

Es ist eine Zusammenstellung von Erzählungen, die Ted Chiang über einen Zeitraum von 20 Jahren in verschiedenen Publikationen veröffentlicht hat.

Er verfügt über einen scheinbar unerschöpflichen Schatz an Ideen und Fantasien und entwickelt dabei Szenarien, die oft unheilvoll/unheimlich visionär wirken.

Der Inhalt wechselt dabei stetig von Science zu Fiction und wieder zurück und lässt uns dabei unsicher werden, was davon in unserer Welt tatsächlich schon existiert (vielleicht in irgendeinem Labor?), was wir demnächst erwarten können und was reine Utopie ist.

Oben steht es schon aber trotzdem noch einmal: spannend zu lesen, überraschend und empfehlenswert auch für Nicht-SF-Fans.


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