Timur Vermes: Er ist wieder da

verfasst am 21.12.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Vermes, Timur

Adolf Hitler erwacht 2011 in Berlin am Boden liegend. Zuerst noch orientierungs- und planlos macht er sich auf die Suche nach dem Führerbunker und ist verwundert, wie „krank“ die Gesellschaft ist. Zudem attestiert er den amtierenden deutschen PolitikerInnen absolute Unfähigkeit, das Volk zu führen. Hitler sieht einen klaren Auftrag: er muss sich politisch dem Land wieder zur Verfügung stellen. Eine Satire? Ja. Allerdings eine bitterböse.

Mit seinem unverkennbaren Bart und seiner Uniform vermuten Menschen die ihm begegnen, er sei ein begnadeter Kabarettist. Gierig nach Quote verhelfen ihm die „Macher“ der Fernsehstars in der Neuzeit zum Aufstieg als Publikumsliebling.

Herr Hitler – als Ich-Erzähler – sinniert in seinen Selbstgesprächen vor sich hin:
Warum gibt es in der Stadt eine solche Überzahl an  türkischstämmigen Bewohnern?
Wer ist für das Verschwinden seines Blattes „Völkischer Beobachter“ verantwortlich?
Zudem macht er sich Gedanken über die schwindende Gebärfreudigkeit der deutschen Frauen. Sie sind krank? Sie wickeln keine Babys, sie halten sich als Kinderersatz Hunde. Er mutmaßt, dass dies wahrscheinlich der Grund ist, weshalb die Exkremente der Vierbeiner wieder in einem Säckchen verschwinden.

Nach und nach beginnt Hitler den Hype um seine Person zu perfektionieren. Er benutzt das Fernsehen und die seltsame Erfindung des „Internetz“ – so wie er es nennt – zur Steuerung seiner Präsenz und Verbreitung seiner Ideologie. Bald verfügt er über ein Handy und einer eigenen Website mit dem Namen „Führerhauptquartier“.

Hätte es die modernen Medien schon vor 1945 gegeben, der Propagandaminister Goebbels wäre hellauf davon begeistert gewesen. 2011 hat sich ein solches Ministerium allerdings erübrigt. Für seinen neuerlichen Aufstieg braucht Herr Hitler weder Goebbels noch die SS.

Das Publikum ist begeistert, wenn Hitler seine Reden schwingt (mir jagte es Schauer über den Rücken, hörte ihn quasi aus diversen Archivfilmen plärrend, da half es auch nicht, mir vorzustellen es sei Charlie Chaplin…), es ist ihm ergeben, verneigt sich. Der Führer himself steigt zum größten Hitler-Darstellers aller Zeiten auf.

Nur Adolf – gewieft, narzisstisch und machtgierig – er selbst ist so hinterhältig wie damals…

Erschreckend ist für mich, dass ich während der Lektüre manchmal herzhaft aufgelacht habe! Dann wurde mir immer mulmiger zumute und ein unguter Nachgeschmack ließ mir bald das Lachen im Hals stecken bleiben!

Ein grandioses Buch, das ironisch und aufrüttelnd zugleich ist!


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