Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werther

1774 erschien die erste Ausgabe dieses Briefromanes unter dem Titel „Die Leiden des jungen Werthers“ und wurde für den damals erst 25-jährigen Goethe zum ersten über die Grenzen der deutschsprachigen Länder hinaus gehenden Erfolg. Mit der Neufassung aus dem Jahr 1787 verlor der Roman sein abschließendes „S“ und wurde unter dem Titel „Die Leiden des jungen Werther“ veröffentlicht.

Die Handlung erstreckt sich im Zeitraum von Mai 1771 bis Dezember 1772. Als junger Mann, noch ohne festen Lebensplan, versucht Werther dem Stadtleben zu entkommen und siedelt sich in dem idyllischen Dorf „Wahlheim“ an. Er genießt es, in der Natur umherzustreifen, und verarbeitet seine Eindrücke durch Zeichnungen. Sein vages Lebensziel ist, einmal Künstler zu werden.

Eines Tages lernt Werther den Amtmann kennen, der ihn einlädt, ihn doch einmal zu besuchen. Werther schiebt den Besuch auf und hat ihn bald vergessen. Auf der Fahrt zu einem Tanzvergnügen zusammen mit anderen jungen Leuten macht die Kutschgesellschaft beim Haus des Amtsmanns halt, um dessen Tochter Lotte abzuholen.

Werther sieht sie, umringt von acht jüngeren Geschwistern, denen sie ihr Abendbrot von einem Brotlaib Stück für Stück abschneidet. Der junge Werther ist tief beeindruckt von der Szene und ihrem Mittelpunkt, dem schönen Mädchen, welches eine Mutterrolle übernommen hat.

Der Amtmann ist verwitwet. Während des Balls, dem Ziel des gemeinschaftlichen Ausflugs, schlägt Lotte Werther vor, einen bestimmten Tanz, den „Deutschen“, mit ihr zu tanzen. „Es ist hier so Mode“, fuhr sie fort, „dass jedes Paar, das zusammengehört, beim Deutschen zusammenbleibt.“ Als Lottes Freundinnen das glückliche Einverständnis, das Lotte und Werther beim Trank zeigen, bemerken, erinnern sie Lotte an Albert. Auf Werthers Frage, wer Albert sei, erklärt ihm Lotte, indem sie ihm „die Hand zur Promenade bot“, Albert sei ein braver Mensch, mit dem sie so gut wie verlobt sei.

Das Wetter stellte dann ein gewisses Problem dar, denn im Verlaufe des Abends zieht ein Gewitter auf. Werther und Lotte betrachten danach vom Fenster aus die noch regenfeuchte, erfrischte Natur. Beiden kommt das gleiche Gedicht in den Sinn, eine Ode von Klopfstock. Ergriffen wird ihnen ihre Seelenverwandtschaft bewusst. Von nun an sucht Werther die Nähe dieses außergewöhnlichen Mädchens, die ihm nicht verwehrt wird.

Als Albert, Lottes Verlobter, von einer geschäftlichen Reise zurückkehrt, wird Werther die Hoffnungslosigkeit seiner Liebe allmählich bewusst. Albert ist ein sympathischer, gutmütiger Mensch, dennoch bleibt das Verhältnis zwischen ihm und Werther gespannt.

Als Werther bemerkt, dass er seine starken Gefühle für Lotte aufgrund der problematischen Konstellation nicht ausleben kann, verlässt er das Dorf, um Abstand zu gewinnen. Werther arbeitet eine Zeit lang bei einem Gesandten aber die Geschäftspedanterie und die Enge der Etikette lassen ihn erkennen, dass er sich mit der oberen Gesellschaftsschicht und dem Leben der Adligen nicht identifizieren kann.

Enttäuscht kehrt er nach Wahlheim zurück. Inzwischen sind Lotte und Albert verheiratet. Werther besucht Lotte dennoch immer wieder, bis es ihr schließlich zu viel wird und sie ihn – auch im Sinne von Alberts Wünschen – beteuert, ihn erst in vier Tagen, zu Weihnachten wiedersehen zu wollen.

Als Werther vor Ablauf dieser Frist in Alberts Anwesenheit Lotte besucht und ihr aus Ossians Grabgesängen vorliest, wird Werther von seinen Gefühlen übermannt, umarmt sie und sie küssen sich. Lotte reißt sich dann aber los. Nach diesem Ereignis verzweifelt Werther endgültig.

Er schreibt einen letzten Abschiedsbrief, den er bereits vor seinem letzten Treffen mit Lotte angefangen hat, leiht sich von Albert unter dem Vorwand einer Reise zwei Pistolen – gereinigt und instandgesetzt von Lotte – und schießt sich um Mitternacht auf seinem Zimmer in den Kopf. Am nächsten Morgen wird er in seiner üblichen blau-gelben Kleidung schwer verwundet aufgefunden.

„Emilia Galotti“ von Lessing liegt aufgeschlagen auf seinem Pult. Gegen zwölf Uhr Mittag erliegt er seiner Schussverletzung. Ein christliches Begräbnis bleibt ihm aufgrund seines Selbstmordes verwehrt.

Ein gut zu lesendes Buch, das die Gefühle etwas übertrieben darstellt – ob ein Selbstmord angesichts einer verwehrten Liebe gerechtfertigt ist, wage ich aber zu bezweifeln.  Das Buch hat mir gefallen, es hat bis zur letzten Seite gefesselt, obwohl das Ende abzusehen war.

Die Sturm-und-Drang-Zeit war sehr gefühlsbetont und das Werk  „Die Leiden des jungen Werther“ ist wohl einer der besten Vertreter dieser Epoche.


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