Thor Kunkel: Subs

verfasst am 04.09.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kunkel, Thor, Satire

Der Schönheitschirurg Claus und seine Frau, Rechtsanwältin Evelyn, sind in ihren Jobs mehr oder weniger erfolgreich. Was ihnen gar nicht liegt, ist ihr wunderschönes Haus in Schuss zu halten und kochen, ja, das macht die Mikrowelle. Um sich endlich den schönen Dingen des Lebens widmen zu können wird eine Haushaltkraft gesucht. Claus gibt ein Inserat auf: Sklavin gesucht!

Auf dieses witzig gemeinte Inserat melden sich an die 40 Personen. Der Begriff Sklavin wird unter anderem fälschlicherweise als freiwillige sexuelle Unterwerfung verstanden. Das Ehepaar Müller-Dodt entscheidet sich für den Bewerber Bartos und die junge Frau Lana. Gemeinsam ziehen die beiden in das Anliegerhäuschen und beginnen den gnädigen Herrn und die Madame zu bedienen, zu putzen, zu organisieren und die sich im Keller befindlichen Reptilien zu versorgen.

Bartos, ein Altphilologe ohne Arbeit, hat sich ganz dem römischen Recht verschrieben. Er sieht in der Sklaverei eine alternative Lebensform. Immerhin gibt es die moderne Sklaverei ja auch: in schlecht bezahlten Jobs, die Wirtschaft und Banken behandeln die Menschen wie das Letzte, und besser als Hartz IV-Empfänger lebt es sich als Sklave allemal.

Evelyn und ihr Göttergatte sind ob dieser Lebenseinstellung begeistert und genießen dieses neue Lebensmodell. Anfangs hat die Rechtsanwältin noch Gewissensbisse, die „Sklaverei“ lässt sich mit dem Gesetz einfach nicht in Einklang bringen. Claus dagegen findet es absolut herrlich.

Ist das etwa die Rückkehr des Feudalismus mit Leibeigenschaft? Als logische Folge auf die Demokratie? Oder nur alles eine Frage des neuen Live-Styles?

Bartos und Lana stehen dem reichen Ehepaar rund um die Uhr zur Verfügung. Bartos überzeugt Claus, dass für ihr Luxusverständnis noch ein römisches Bad im Garten fehlt. Dazu heuert der Hausdiener neue Sklaven an und bald entsteht rund um die Villa ein ganzes Sklavendorf.

Nebenbei bemerkt, frisst die Bank das Vermögen der Müller-Dodts und das Haus gehört auch schon lange dem Fiskus. Doch Claus behält diese Nachrichten für sich. Wozu Evi verunsichern, das hedonistische Leben ist doch viel zu toll! Niemals verschwendet er einen Gedanke daran, dass die Karriere knicken, eine Beziehung in Brüche oder die Außenwelt vom Sklavenhaltertum erfahren könnte.

Doch Evelyn stellt sich bald die Frage, wer in dieser, nach römischen Vorbild lebenden Gemeinschaft, eigentlich tatsächlich die Fäden zieht?

Ein toller gesellschaftskritischer Roman bei dem der Humor nicht zu kurz kommt! Besonders genial finde ich die Verknüpfung der beiden Ideen – „Reich und pfeif auf die Moral“ und „freiwillig versklavt als reiner Selbstzweck zum Selbsterhalt.“

Trotzdem stießen mir Fragen nach der eigenen Freiheit in unserem korrupten Politik- und Wirtschaftssystem und auch die tatsächliche Versklavung von Menschen in Ländern der Dritten Welt ziemlich sauer auf :o(



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