Ken Follett: Das zweite Gedächtnis

verfasst am 17.05.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Follett, Ken, Thriller

Bevor und nachdem Ken Follett mit den „Säulen der Erde“ zu einem der meistgelesenen Schriftsteller wurde, veröffentlichte er eine ganze Reihe von Agententhrillern, die meistens die Zeit des Kalten Krieges zum Leitthema hatten. Bei Bastei-Lübbe-Verlag wurde in diesem Jahr „Das zweite Gedächtnis“ aus dem Jahr 2000 neu aufgelegt. Eine gute Gelegenheit, sich die Follett-lose Zeit bis zum Herbst zu verkürzen*).

Ohne Umschweife gleich zu einer Kurzfassung des Inhaltes: ein Mann (namens Luke, wie wir schon bald erfahren) wacht in der öffentlichen Toilette der Union Station in Washington D.C. auf. Seine Kleidung lässt darauf schließen, dass er ein Obdachloser ist, doch er selbst kann sich an rein gar nichts erinnern. Nur das Gefühl treibt ihn an, dass etwas an seinem gegenwärtigen Erscheinungsbild ganz und gar nicht stimmt.

Luke macht sich auf die Suche nach seiner Identität. Dabei stellt er immer wieder überrascht fest, über welche Kenntnisse und Fähigkeiten, die nach seinem Verständnis über das normale Maß hinaus gehen, er verfügt. Und eben das bringt ihn schon bald an sein Ziel und gibt ihm seinen Namen wieder. Dass es ihn auch in erhebliche Schwierigkeiten bringen würde, das konnte er nicht wissen.

Denn mit der Erkenntnis wer er ist, kommen schon die nächsten Fragen: wie ist er in diese Lage gekommen? Wer ist dafür verantwortlich? Wer sind seine Feinde, wem kann er vertrauen? Obwohl er nun seinen Namen und seine Herkunft kennt, so fehlt ihm doch weiterhin jegliche Erinnerung an die letzten Tage. Sicher ist nur, dass er beschattet wird.

Alles, und damit ist die Vorgeschichte der Hauptdarsteller in diesem Buch gemeint, beginnt am Vorabend des 2. Weltkrieges und zieht sich hinein bis weit in die 1950er Jahre, als der Kalte Krieg seinem ersten Höhepunkt entgegensteuerte und als die Sowjetunion mit dem Start des ersten Weltraumsatelliten die USA technologisch in den Schatten gestellt hatte.

Und hier beginnt sich alles zu konzentrieren: Geheimdienste, Spionage, Raketentechnologie, geheime Experimente, Verrat. Luke scheint einer sehr wichtige Sache auf die Spur oder ihr zumindest zu nahe gekommen zu sein.

Folletts Agententhriller habe ich bisher immer verschlungen (genauso wie die historischen Romane), also freute ich mich, auf einen neuen, alten Roman, der mir bis dato verborgen geblieben war. Und es ist, wie zu erwarten war, ein Roman mit akribisch recheriertem Hintergrund.

Doch so richtig wollte das erhoffte, prickelnde Agententhriller-Feeling nicht aufkommen. Nur sehr spröde nimmt die Handlung Fahrt auf und wirkt dabei manchmal etwas wirklichkeitsfremd und konstruiert. Spannend ja, temporeich in der zweiten Hälfte des Buches, aber begeisternd – leider nein. Ein Grund dafür ist sicher auch, dass die Zufälle in der Handlung zu oft zu unverhofft eintreten. So viel Glück kann man nicht haben, auch dann nicht, wenn man, so wie Luke, einer dieser (fast) einsamen Helden ist, der als einziger das Unheil verhindern kann.

Misst man den Roman an Follett-Maßstäben, dann ist er gutes Mittelmaß. Wäre er der Erstling eines Newcomers, dann sähe die Sache wahrscheinlich anders aus und man würde ihr/ihm eine große Zukunft in der Thriller-Schriftstellerei voraussagen. So ungerecht kann es zugehen. 

*) PS: denn dann erscheint Winter der Welt: Die Jahrhundert-Saga. Roman



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