Hermann, Wolfgang : Die Augenblicke des Herrn Faustini

verfasst am 12.10.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Hermann, Wolfgang, Romane

Herr Faustini lebt in Hörbranz, einem kleinen Städtchen in Vorarlberg. Er entdeckt in sich einen Riss und hat bald daraufhin seine erste Psychotherapieeinheit. Ausgewählt hat er die Therapeutin aufgrund ihres Namens: Angela Nussbächle. Was konnte da schon schiefgehen. Eine Engelin von einem Nussbaum nahe an einem Bächlein – so leitet er den Namen her. Er begibt sich quasi in Reparatur, bevor der Riss, die Verschiebung seiner Wahrnehmungen, irreparabel wird.

Der Riss, so erklärt Faustini seiner Therapeutin bedeutet, er sieht jemand auf der Straße gehen und er hört in sich selbst jemanden sagen: jemand geht über die Straße.
Wenn an einem Zaun ein Mann zu einem anderen spricht, gehe er, Faustini, in diesen Satz hinein und findet dann den Ausgang nicht mehr.

Nach fünf Sitzungen ist die Behandlung bei Frau Nussbächle zu Ende. Sie meint, er könne sich nun selbst reparieren. Um den Riss in sich zu kitten beschließt Faustini zu verreisen. Er schlägt eine Europa-Karte auf, wählt blind sein Ziel. Als er die Augen wieder öffnet, zeigt sein Finger auf den Ort Edenkoben (!)

So reist er gemütlich mit der Bahn nach Deutschland nach Edenkoben in der Pfalz. Faustini fragt sich bald, ob die Kleinstadt Edenkoben „… eine Versuchsstation zur Ausbalancierung der beiden Welten Eden und Schweinekoben…“ sei?
(S. 36)

In seiner ersten Nacht fühlt er sich vor dem zu Bett gehen gefangen in der Endlosigkeit. Das tut gut. Bis in die Fingerspitzen fühlt er diese Endlosigkeit, während er am Fenster steht und in den Weinberg sieht. Doch dieses Gefühl ist nicht von langer Dauer. Es verfliegt rasch, als eine Fliege ihn vom Schlaf abhält. Nach erfolgloser Jagd auf das Tier steht eines fest. Das Zimmer in der Pension ist zu klein für ihn und die Fliege. Einer von beiden muss ausziehen. Und da ist er wieder, der Riss…

Auf der Suche nach dem Kitt, der den Riss in ihm wieder zusammenschweißt, lernt sich Faustini durch veränderte Blickwinkel auf seine Umwelt neu kennen. Dazu trägt nicht nur Emil, der Mann in weißen Tennissocken bei, sondern auch eine Frau, die mit ihrem faszinierendem Auftreten in Faustini das völlig unerwartete Gefühl von Glück hochsteigen lässt.

Eine hübsche Geschichte, die einen selbst anregt, wieder mal einen Blick auf sein Inneres zu lenken.
Der Autor beschreibt Faustinis Sicht der Dinge mittels Metaphern, einer eher einfachen, bildhaften Sprache. Persönlich hätte ich mir mehr „Wortakrobatik“ gewünscht!


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