Reichlin, Linus: Er

verfasst am 03.03.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Reichlin, Linus, Romane

Die Hauptfigur heisst wieder Hannes Jensen, die Geliebte, die ihn verlassen hat heisst Annick und ist blind. Mehr findet sich nicht an Gemeinsamkeiten mit den beiden Büchern, die Linus Reichlin zum einem Stern am Krimihimmel werden ließen.

Klingt das böse? Nun, gemeint habe ich es so: Jensen stürzt in ein tiefes Loch, als er von Annick nicht nur verlassen wird, sondenr vor allem, als er von ihr erfährt, dass er nie, zu keiner Zeit, der einzige Mann in Ihrem Leben war. Immer war sie auch bei dem anderen, bei dem, mit dem sie nun fort ging. Zurück bleiben Jensen und Annicks Blindenhund, der ihn nur durch seine bloße Existenz  in jeder Sekunde an seinen Verlust erinnert.

Also geht auch Jensen fort. fort aus Brügge um Erinnerungen und altes Leben hinter sich zu lassen. Er geht nach Berlin und trifft dort Lea. Zuerst in ihrem Blumenladen, wo er den Hund einfach stehen lässt, um ihn später abzuholen. Dann in Ihrer Wohnung, bald schon in einer Beziehung, die von Liebe und Unsicherheit (wenn nicht gar Misstrauen) zu gleichen Teilen gepägt ist. Er liebt Lea, doch die Trennung von Annick hat tiefe Spuren in ihm hinterlassen. Da ist es für seinen Seelenfrieden nicht sehr hilfreich, dass Lea ihre eigene Vergangenheit als Tabu-Thema betrachtet, während er rundum immer wieder Hinweise findet, oder zu finden glaubt, die vielleicht auf einen Nebenbuhler hindeuten.

Aus einer komplexen Situtation wird eine fast unüberschaubare, als Leas Vergangenheit, die ihr die schon ganze Zeit über unbemerkt näher gerückt war, mit einem Mal mit Macht in ihr gegenwärtiges Leben einbricht – und damit auch auch in das Leben von Jensen.

Das alles spielt sich in einer sehr klaren Sprache ab, ohne dass daraus eine klare Geschichte wird. Hinter jedem Absatz könnte sich etwas verbergen, das plötzlich alles in Frage stellt, ein Nachhall aus der Vergangenheit, eine Regung in der Gegenwart oder vielleicht doch auch etwas aus der Zukunft?

„Die Sehnsucht der Atome“ und „Der Assistent der Sterne“ waren keine Krimis der herkömmlichen Art, aber es waren Kriminalromane, sie waren spannend und beeindruckend. „Er“ ist kein Krimi mehr, was mich zuerst viele Seiten lang auf den Start der Krimihandlung warten ließ und mich dann, als das nicht passierte, enttäuschte. Zugegeben, da bin ich selber Schuld, habe die Vorschau wohl falsch interpetriert.



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