Trojanow, Ilija : Die Welt ist groß und Rettung lauert überall

verfasst am 11.08.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Trojanow, Ilija

Vasko Luxow lebt am Rande Europas, in Bulgarien. Dort wird auch sein Sohn Alex geboren, den seine Großmutter Slatka heiß liebt. Eines Tages  erträgt Vasko das Leben in seinem diktatorischen Heimatland nicht länger und flüchtet mit seiner Frau Jana und Alex in ein vermeintlich besseres Land. Sie landen in Italien, im Flüchtlingslager Pelferino. Dort zeigt sich schon bald, dass zwischen Traum und Wirklichkeit Welten liegen.

Katastrophale Unterbringungsverhältnisse und Gewalttätigkeiten sind an der Tagesordnung. So treibt es die Familie weiter, denn wer in Europa bleiben will, darf nicht in Pelferino bleiben. Damit gelangt die Familie nach Deutschland…

Vasko und Jana sterben bei einem Autounfall, Sohn Alex überlebt das Unglück, kann sich aber an den Hergang des Unglücks nicht erinnern. Hoffungslosigkeit macht sich bei dem jungen Mann breit. In seiner Wohnung – die reinste Verwahrlosung – Flaschen auf dem Boden, Altpapier, kein Meter frei um einen Fuß vor den anderen setzen zu können. Alex versinkt in tiefster Depression und absoluter Antriebslosigkeit.

Doch da taucht Bai Dan auf, sein hochbetagter Taufpate vom Balkan und begnadeter Würfelspiele. Er reist auf Wunsch von Großmutter Slatka von Bulgarien nach Deutschland um Alex zu suchen. Dabei erlebt er eigenartige Dinge. Beispielsweise übernachtet er in einem Hotel und sieht fern. Es läuft eine Abendshow, das sogenannte Asylantenroulette. Diese Show feiert europaweiten Erfolg. Emil Zülk ist der Gastgeber, der sich bei der Ausstrahlung der 33. Sendung über einen neuen Zuschauerrekord von 22 Millionen ZuschauerInnen freut. Die Sendung ist nicht nur in Deutschland sehr beliebt, über Satellit  empfängt die Show auf der ganzen Welt. Gewinner beim Asylantenroulette werden per sofortiger Wirkung eingebürgert, Sonderpreis ist die sofortige Staatsbürgerschaft. Wer schummelt, wird samt seiner Familie sofort abgeschoben.

Bai Dan spürt Alex in einer Klinik samt Depressionen auf und nötigt den depressiven Mann, ihn auf einem Tandem durch die Welt zu fahren. Bai Dan schimpft Alex, er soll nicht jammern und herumliegen, sondern endlich in Bewegung kommen. Zu Beginn meint Alex, sein Taufpate sei absolut verrückt. Aber bald radeln sie quer durch Europa und zurück nach Bulgarien. Diese Fahrt erweist sich als heilsame Therapie für den jungen Mann, der durch die Erlebnisse seine Lebensfreude und auch seine eigene Geschichte wieder findet.

Denn die Welt ist bekanntlich groß – und Rettung lauert überall!

Ein ganz besonderes Buch! Nicht umsonst wurde dieser Roman mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet!



Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top