Buchbesprechung/Rezension:

Beate Maly: Der Zauber der kleinen Dinge

Der Zauber der kleinen Dinge
verfasst am 04.11.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Es ist eine Geschichte, die nahezu nach einem Happy End schreit! Die Handlung führt uns zurück ins kaiserliche Wien um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, in eine Zeit, in der der Alltag noch in ganz anderen Bahnen verlief, als wir es heute kennen.

Alte Konventionen über Rollenbilder bestimmen, wie Frauen und Männer ihr Leben gestalten können, Armut ist täglicher Begleiter vieler Menschen und die Zukunft sieht nur für wenige wirklich rosig aus.

Es ist die Geschichte von Charlotte Geiger und Erwin Perzy, die einander zuerst zufällig auf dem Naschmarkt über den Weg laufen – buchstäblich – und später zueinanderfinden. Bis es aber so weit ist, gibt es viele Hindernisse zu überwinden.

Denn zunächst ist Charlottes Zukunft ungewiss, nachdem ihr Vater die familiengeführte Backstube verkaufen will. Charlottes Vorstellung war gewesen, selbst das Geschäft weiterzuführen. Doch als unverheiratete Frau hat sie zu dieser Zeit kaum Möglichkeiten, beruflich auf eigenen Beinen zu stehen, und auch eine andere Anstellung ist für sie nicht einfach zu finden.

Erwin andererseits findet mit seiner Arbeit als Hersteller medizinischer Präzisionsgeräte und als Erfinder mehr schlecht als recht sein Auslangen. Es ist viel zu wenig, um bei Charlottes Vater um die Hand seiner Tochter anhalten zu können, denn der würde ablehnen, solange fraglich ist, ob Erwin eine Familie ernähren kann. Für beide scheint eine gemeinsame glückliche Zukunft also in weiter Ferne zu liegen.

Bis zu dem Moment, in dem Erwin der große Wurf gelingt.

Dass dabei Rudi, ein Waisenjunge, einen großen Anteil hat, vergisst Erwin nicht. Als nach vielen Versuchen schließlich die erste Wiener Schneekugel entsteht, kann er natürlich noch nicht ahnen, dass er damit den Grundstein für ein Unternehmen legt, das auch heute noch existiert und seine Produkte in alle Welt exportiert.

Historisch belegt ist, dass Erwin Perzy I um 1900 bei Experimenten mit einer wassergefüllten Glaskugel eher zufällig auf jenen Effekt stieß, der später zum Markenzeichen seiner Schneekugeln wurde. Aus dieser Idee entstand ein Familienunternehmen, das bis heute in Wien besteht. Beate Maly baut rund um diese tatsächliche Erfindung ihre Geschichte von Charlotte, Erwin und Rudi auf.

Weil unsere Gegenwart von schlechten Nachrichten quasi verseucht zu sein scheint, ist es eine überaus erfreuliche Abwechslung, ein Buch mit einer Handlung ganz abseits von Verbrechen und Intrigen zu lesen. Dass Erwin Perzys Geschichte mit der Erfindung der Schneekugel erfolgreich enden wird, ist natürlich kein großes Geheimnis – schließlich gehört sie längst zur Geschichte Wiens.

Beate Maly entwickelt die Liebesgeschichte so, dass man immer mehr mit Erwin, Charlotte und Rudi mitfiebert, mit ihnen mitfühlt, wenn die Zukunft vorübergehend gar nicht rosig erscheint, und sich mit ihnen freuen kann, wenn das erwartete und erhoffte Happy End endlich näher rückt.

Dabei gefällt mir besonders, wie historische Wirklichkeit und fiktive Romanhandlung miteinander verbunden werden. Die Schneekugel ist nicht nur nette Dekoration für eine winterliche Liebesgeschichte, sondern tatsächlich der Ausgangspunkt eines Wiener Unternehmens, dessen Produkte mehr als 120 Jahre später noch immer hergestellt werden.

Liebesgeschichten sind ansonsten so gar nicht mein Genre, doch diese hat mich wirklich berührt.

Ein Buch, das ich ohne jede Einschränkung weiterempfehlen kann!




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