Buchbesprechung/Rezension:

Michele Botton: Wo ist Agatha Christie?

Wo ist Agatha Christie?
verfasst am 11.10.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Von Agatha Christie habe ich schon einige tausend Seiten gelesen, über sie noch nichts. Es ist Zeit, das nachzuholen; wenn gerade im Carlsen-Verlag eine gezeichnete Biografie erschienen ist, nützte ich die Gelegenheit.

Vielleicht wenig bekannt ist, dass Agatha Christie im Jahr 1926 für einige Tage spurlos verschwunden war. Eine Reihe von persönlichen Katastrophen und Rückschlägen belasteten die zu diesem Zeitpunkt schon berühmte Schriftstellerin dazu, unterzutauchen, einmal alles hinter sich zu lassen.

Diese Episode ihrer Biografie ist der Angelpunkt für diese Graphic Novel: die Jahre als kleines Mädchen, das ist für sie paradiesischen Verhältnissen aufwuchs. Die liebevollen Eltern sorgten dafür, dass es ihr an nichts fehlte und sie zu dem Menschen heranwachsen konnte, der mit Kreativität und Wortgewandtheit Millionen Menschen unterhielt.

Es folgen ihre Jahre während des Ersten Weltkrieges, in denen sie zunächst als Krankenschwester und später in einer Krankenhausapotheke arbeitete. Dort eignete sie sich jenes Wissen über Medikamente und Gifte an, das später in zahlreichen ihrer Kriminalromane eine Rolle spielen sollte

Ihre Jahre als Krankenschwester, ihre Ehe mit dem Luftwaffenoffizier Archibald Christie mit dem sie im Jahr 1922 die ganze Welt bereiste – alle ihre Erfahrungen und Erinnerungen aus ihrem schon in jungen Jahren ereignisreichen Leben lieferten ihr viele Ideen für ihre Romane. Eine schier unerschöpfliche Quelle, wie die Vielzahl ihrer Veröffentlichungen beweist.

1926 starb ihre Mutter, ihr Ehemann gestand seine Untreue und wollte die Scheidung. Es ist nur allzu verständlich, dass sie alledem einfach entfliehen wollte. Wenn sie danach noch schreibfreudiger zurückkehrte, ist das Glück aller ihrer Fans.

Auf knapp 130 Seiten erzählt der Autor Michele Botton die Stationen von Christies frühen Lebensjahren sehr kompakt aber doch erstaunlich umfangreich. Er pendelt zwischen der Gegenwart des Jahres 1926 und den Rückblicken und damit wird auch deutlich, was zu ihrem Ausbruch aus ihrer gewohnten Welt führte. Die Zeichnungen von Angela Sancono sind zwar schlicht, sie hält sich nicht mit nebensächlichen Dekorationen auf, passen aber genau deshalb wunderbar zu den Texten und zur Story.

„Wo ist Agatha Christie?“ ist zusammengefasst eine wirklich gut gelungene Alternative zur Lektüre einer umfangreichen Biografie. Im Zusammenspiel von Text und Zeichnungen entsteht ein verständliches Bild der berühmtesten Krimiautorin der Welt in ihren frühen Lebensjahrzehnten. Wer mehr erfahren möchte, kann sich ja immer noch eine umfangreiche Biografie zulegen :-)




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