Kurt Kotrschal: Unser Recht auf ein Leben mit Tieren
Reden wir über Hunde, Katzen, Vögel, Fische und das liebe Vieh
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Kurt Kotrschal ordnet das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren in verständlicher Form in einen wissenschaftlich fundierten Rahmen.
Dieses Buch ist eine Klarstellung darüber, wie eng wir alle miteinander verwandt sind, wie wenig es stimmt, dass ausgerechnet wir Menschen die Krone der Schöpfung sein sollen, und welche unverzichtbare Rolle die „anderen Tiere“ – weil wir ja auch welche sind – historisch und bis heute für die Entwicklung und die Struktur unserer Gesellschaft und Zivilisation spielen.
Nachzulesen ist einiges über biologische und evolutionäre Gemeinsamkeiten, über vergleichbare emotionale Fähigkeiten und über soziale Bindungen samt ihrer Bedeutung für das Zusammenleben – nicht nur zwischen Menschen und ihren tierischen Mitbewohnern, sondern auch zwischen Menschen ganz allgemein.
Dabei geht es nicht nur um des Menschen liebste Haustiere, die Hunde und Katzen. Kotrschal beschäftigt sich auch mit unserem oft widersprüchlichen Verhältnis zu Nutz- und Wildtieren. Die einen werden zu Familienmitgliedern, andere dienen uns als Nahrung oder Arbeitskräfte, wieder andere schützen oder jagen wir. Daraus ergibt sich letztlich auch die zentrale Frage des Buches: Welchen Stellenwert wollen wir Tieren in unserer Gesellschaft zugestehen, und welches Recht auf ein gutes Zusammenleben haben eigentlich sie?
Hunde und andere Tiere in unserem Lebensraum können eine viel zu oft ignorierte positive Wirkung auf Menschen haben. Kotrschal bringt zahlreiche Beispiele für ihre Bedeutung für Kinder, für unser körperliches und psychisches Wohlbefinden und für unsere sozialen Fähigkeiten.
Und – das ist jetzt das, was mir meine eigene Erfahrung tagtäglich zeigt – Hunde haben auch eine verbindende Wirkung zwischen Menschen. Natürlich gibt es auch unter Hundebesitzern die Unbelehrbaren, die sich nicht um ihre Umwelt scheren, oder jene, die ihr Selbstwertgefühl über sogenannte „Kampfhunde“ definieren. Aber bei vielen Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern fördert das Zusammenleben mit ihrem Vierbeiner Aufmerksamkeit für andere und Empathie. Vielleicht auch ganz einfach deshalb, weil uns beides von unseren Hunden nebenbei beigebracht wird.
Ich verstehe wirklich nicht, warum manche Menschen Hunde regelrecht hassen oder Menschen mit Hund sogar eine soziale Dysfunktion unterstellen. Was auch immer die Gründe für eine aus meiner Sicht derart befremdliche Einstellung sind: Sie entspricht so gar nicht dem, was sich aus der Entwicklungsgeschichte der Menschheit ablesen lässt – und darüber schreibt Kotrschal sehr ausführlich.
Das ist für mich eine der interessantesten Aussagen des Buches: Das Zusammenleben mit Tieren ist kein moderner Luxus und keine sentimentale Marotte. Tiere begleiten unsere Entwicklung seit Jahrtausenden als Gefährten, Helfer, Nahrung, Konkurrenten und Verbindung zur Natur. Ohne diese Beziehung wären wir Menschen möglicherweise nicht das geworden, was wir heute sind.
Ein kleines Buch für Menschen, die in ihrem Alltag mit Tieren zu tun haben, genauso wie für jene, die damit einen guten Einblick in eine uralte Beziehung bekommen, ohne die wir Menschen möglicherweise nie so weit gekommen wären.
PS: Historiker ist Kotrschal nicht. Auf Seite 40 macht er Erzherzog Franz Ferdinand zum letzten Kaiser Österreichs und Kaiser Franz Joseph I. zu seinem Vater. Tatsächlich wurde Franz Ferdinand nie Kaiser, Franz Joseph war sein Onkel und der letzte österreichische Kaiser hieß Karl I.