Buchbesprechung/Rezension:

Arthur Langenthal: Zwei Kaiser
Zeugnisse einer europäischen Tragödie

Zwei Kaiser
verfasst am 09.10.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Dieses Buch ist eine Art Geheimtipp, auf den ich nur durch eine Nachricht gestoßen bin, die mir der Autor geschickt hat.

Der Inhalt ist eine für mich erstaunlich plausible alternative historische Chronik über die europäische Machtpolitik von den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bis weit hinein in das 20. Jahrhundert.

Dafür müssen zunächst einige historische Fakten umgeschrieben werden:

Die Chronik beginnt im Jahr 1875 mit der Korrespondenz zweier Thronfolger: Rudolf von Österreich und Napoléon Eugène Louis Bonaparte, der in dieser alternativen Welt später als Napoleon IV. Kaiser der Franzosen wird.

Der entscheidende Bruch mit unserer Geschichte liegt allerdings schon einige Jahre davor. Das Attentat auf den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck im Jahr 1866 ist erfolgreich. Ohne Bismarck nimmt die deutsche Einigung einen völlig anderen Verlauf. Die Proklamation Wilhelms I. zum Deutschen Kaiser im Spiegelsaal von Versailles im Jahr 1871 findet nie statt, das Deutsche Kaiserreich entsteht nicht und die deutschen Staaten bleiben weiterhin getrennt.

Die sozialen, gesellschaftlichen und politischen Probleme sind allerdings dieselben, wie sie damals tatsächlich existierten: zunehmender Nationalismus, persönliche Interessen der Herrscher und weitgehend rechtlose Arbeiter in einer immer rasanter fortschreitenden Industrialisierung.

Wenn nun eine neue Generation zukünftiger Herrscher heranwächst, die einen anderen Blick auf die Welt hat und sich aus der abgehobenen Gedankenwelt ihrer Vorväter lösen möchte, gibt es dann eine Chance auf eine friedlichere Zukunft in Europa? Denn im Jahr 1875 liegen die apokalyptischen Kriege des 20. Jahrhunderts noch in der Zukunft. Noch könnten das millionenfache Sterben und die völlige Zerstörung ganzer Landstriche verhindert werden.

In der nun folgenden Chronik bis ins Jahr 1931 liest man nicht nur von einer völlig anderen Entwicklung als jener, die wir kennen.

Immer wieder finden sich darin historische Namen und Ereignisse, die keineswegs zufällig an das erinnern, was sich in unserer realen Geschichte tatsächlich ereignete. Womit Arthur Langenthal vielleicht auch zeigen möchte, dass viele Konflikte und gesellschaftliche Entwicklungen nicht allein an einzelnen Personen hingen. Manche Probleme, die aus den politischen und sozialen Verhältnissen des 19. Jahrhunderts entstanden, tauchen auch in dieser alternativen Welt wieder auf – nur zu anderen Zeiten und unter anderen Vorzeichen.

Als fiktive Chronik möchte ich dieses Buch deshalb bezeichnen, weil es sich aus Briefen, Zeitungsartikeln und Tagebucheinträgen, jeweils genau datiert, zusammensetzt. Eine Struktur, die es auch leicht macht, dieser alternativen Zeitlinie zu folgen und immer wieder mit der wirklichen Geschichte zu vergleichen. Wenn es auch die eine oder andere Länge darin gibt, so finde ich das Gesamtkonzept doch überaus gut gelungen.

Ich bin – das beeinflusst natürlich meine Einschätzung – ein Fan gut konstruierter Alternativwelt-Geschichten, und Zwei Kaiser ist genau so eine!

Schon kleine Abweichungen, schon geringe Änderungen im Ablauf historischer Ereignisse können zu einer völlig anderen Zukunft führen. Man stelle sich beispielsweise nur vor, was gewesen wäre, wenn die Kugel von Sarajevo den Thronfolger Franz Ferdinand nicht getötet hätte …

Zusammengefasst:

Zwei Kaiser ist eine plausibel und realistisch konstruierte Geschichtsschreibung über eine Vergangenheit, die es nie gab, aber die vielleicht so oder ähnlich hätte gewesen sein können.

Gerade das macht für mich den Reiz guter Alternativwelt-Romane aus: Man liest eine erfundene Geschichte und denkt dabei ständig über die wirkliche nach.

Für Liebhaber dieses Genres sehr zu empfehlen!




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