Ralf Langroth: Schwarzer Samstag
Die Philipp-Gerber-Romane (5)
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Der Beginn der 1960er-Jahre: die Welt stand mehrmals am Rand eines neuen Weltkrieges. Kaum war die Krise rund um die Berliner Mauer beendet, wuchs auf der anderen Seite des Globus die sehr reale Gefahr eines Krieges: Auslöser war die Kubakrise.
Philipp Gerber ist mittlerweile zum Kriminalrat beim BKA aufgestiegen und ist mit Eva Herden, die als Redakteurin für den Spiegel arbeitet, verheiratet. Die beiden finden sich immer wieder im Brennpunkt von gefahrvollen Ereignissen.
Für diesen fünften Band der Thriller-Reihe rund um Phillip Gerber hat Auto Ralf Langroth gleich mehrere historische Ereignisse als Hintergrund für die Story gewählt. Die Kubakrise, die tief verwurzelten und noch immer aktiven Nazi-Seilschaften, die durchaus als zwielichtig zu bezeichnend Aktivitäten des damaligen Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß samt der vom ihm zu verantwortenden Besetzung der Redaktion des Magazins Der Spiegel. Dazu viele der prägenden Persönlichkeiten der Zeit, von Adenauer, über Globke bis zu Gehlen auf dieser Seite des Atlantiks und JKF, RKF und Fidel Castro auf der anderen Seite. Umrahmt, ergänzt, zusammengehalten, durchdrungen ist alles von den Spionageorganisationen, die von West und Ost im Kalten Krieg immer weiter ausgebaut und perfektioniert werden: in der Wirklichkeit, wie auch hier im Buch.
Philipp und Eva geraten bei ihrer Hochzeitreise zunächst durch Zufall an zwielichtige Gestalten, die sich später als Waffenschieber herausstellen. Mit gefälschten Papiere werden Waffen über Hamburg geschleust, organisiert von vermeintlich honorieren Bürgern der Hansestadt.
Als Gerber den Auftrag bekommt, die Ermittlungen in Hamburg zu leiten trifft er dabei auf diese Typen, deren Bekanntschaft er schon machen musste. Die Spur führt von Hamburg weiter direkt zu einem der Brennpunkte des Weltgeschehens. Eva ist mittendrin im Auftrag ihrer Redaktion soll sie ein Interview führen, gerade als alles auf die Katastrophe zusteuert.
Langroth gelingt es ausgezeichnet, die Handlung tief im realen Geschehen zu verankern. So tief, man könnte manchmal glauben, dass es Philipp Gerber und Eva Herden tatsächlich gegeben hätte.
Das alles zusammen macht aus diesem Roman beinahe eine Chronik des Jahres 1962, die rund sechs Jahrzehnten zurückliegende überaus dramatische Zeit wird durch die Thrillerhandlung, die sich als Klammer über alles legt, lebendig und greifbar. Es ist für geschichtlich Interessierte eine gute Gelegenheit, die Details dazu (ich habe sie oben einzeln verlinkt) nachzulesen.
Einen teilweise sogar beunruhigenden Einblick verschafft Ralf Langroth seinen Leserinnen und Leser auch in die angespannte Atmosphäre, in der die Menschen damals lebten. Wer konnte zu Beginn der Kubakrise wissen, ob am Ende nicht doch ein alles zerstörender Atomkrieg ausbrechen würde? Wie sollte man wissen, ob die Besetzung der Spiegel-Redaktion nicht so etwas wie eine Renaissance eines autoritären Regimes war, ähnlich dem, das erst vor wenigen Jahren untergegangen war? Sollte der Herbst des Jahres 1962 der letzte Herbst der Zivilisation werden?
Wir wissen heute, dass die Menschheit das alles überlebt hat; wie knapp damals alles am Abgrund stand wurde erst Jahre später bekannt.
Diese Verknüpfung mit dem Zeitgeschehen macht aus „Schwarzer Samstag“ von Beginn an einen Roman, den ich nur schwer zur Seite legen kann. Bemerkenswert und besonders hervorzuheben ist aus meiner Sicht, wie Langroth das alles schon beinahe nahtlos in eine durchgehende Story verarbeitet, als gehörten die Ereignisse doch zusammen.
Bei dieser Dichte an Spannung finde ich es auch gar nicht schlimm, dass mir das, was Phillip und Eva erleben (oder besser: Was mit ihnen widerfährt und was rund um sie geschieht) gelegentlich etwas zu unrealistisch und auch allzu zufallsabhängig erscheint.
Fehlt noch die Erklärung zum Buchtitel: Der „schwarze Samstag“ war der 27. Oktober 1962. Es war der Tag, an dem die Welt der atomaren Apokalypse so nahe kam wie nie zuvor.
Nach alledem schon etwas atemlos, lese ich die letzten Seiten des Buches und freue mich dort zu erfahren, dass es Anzeichen für eine Fortsetzung gibt!