Günter Neuwirth: Reigen in Triest
Inspector Bruno Zabini (6)
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Das Wort „Reigen“ im Titel ist ein gar nicht zweideutiger Hinweis auf Arthur Schnitzlers „Reigen“. Von Beginn an zeichnet sich ab, dass Buch Nr. 6 mit Inspector Bruno Zabaini ein Roman der etwas unmoralischen Art werden könnte.
Die Szenerie erinnert mich zunächst an gleich mehrere Schauplätze aus Büchern, Filmen und TV-Serien. Die herrlich gelegenen Villa der Baronin Luise von Callenberg in der Nähe von Triest, in der sich drei befreundete Paare für ein entspanntes Wochenende einfinden. Die Beschreibung der Protagonisten, der Anreise und der Örtlichkeit würde auch zu bekannten Schiffs- und Hotelromanen und -serien passen, die ganze Atmosphäre hat ein wenig von englischer Romanze auf Cornwall.
Günter Neuwirth lässt es sehr heftig knistern, Liebe, Freundschaft, Romantik und Leidenschaft liegen in der Luft. Lange dachte ich, das das quasi das Vorspiel zum Krimiteil ist, musste aber lesen, dass es den in Wahrheit gar nicht gibt. Im Gegenteil: aus Andeutungen wird Erotik, die sich auch nicht scheut, manchmal ins Pornografische abzudriften. Der Inhalt entfernt sich zunehmend von „Love Boat“ oder „Hotel“ zu „50 Shades of … „. Im Gegensatz zu Arthur Schnitzler nimmt sich Günter Neuwirth bei seinen Beschreibungen kein Blatt vor den Mund.
Durchsetzt ist alles mit Erzählungen aus dem Leben der sechs Menschen, die sich in der Villa zusammengefunden haben, womit Günter Neuwirth zugleich auch die geltenden Konventionen und gesellschaftlichen Regeln der Zeit um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert streift.
Während sich drinnen schön langsam so etwas wie eine orgiastische Atmosphäre à la Fellini entwickelt, schleichen rund um die Villa dunkle Gestalten. Das wilde Treiben der drei Paare ist durch die hell erleuchteten Fenster oft sehr deutlich sichtbar und auch der in der Villa vorhandene Reichtum ist der Unterwelt nicht verborgenen geblieben. Das alles lockt unerwünschte Besucher an.
Ein klein wenig Krimianteil ist am Ende also doch noch dabei, im Wesentlichen bleibt Neuwirts Reigen aber eine erotische Geschichte, mehr erregend als aufregend.
Zwar hat Günter Neuwirt seinem Hauptdarsteller Bruno Zabaini schon immer ein recht intensives Liebesleben auf den Leib geschrieben – diesmal aber ist es mir einfach zu viel davon.
Für Freunde des Erotik-Genres wird dies wohl ein gelungener Roman sein. Da ich aber nach den ersten fünf Romanen der Reihe mit völlig anderen Erwartungen eingestiegen bin und mich auf einen historischen Krimi gefreut habe, ist meine Begeisterung stark eingeschränkt.
Erwartung und Ergebnis haben für mich diesmal einfach nicht zusammengepasst (Zudem lese ich keine Erotikromane – und werde nach diesem auch nicht damit weitermachen).