Buchbesprechung/Rezension:

Arnd Henze: Mit Gott gegen die Demokratie
Warum der christliche Nationalismus alle angeht

Mit Gott gegen die Demokratie
verfasst am 24.03.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Es wäre zum Lachen, wäre es nicht so absurd und bedrohlich: Eine mehr und mehr von christlichen Fundamentalisten infiltrierte Supermacht (USA), im Verein mit einem Land (Israel), das stark unter dem Einfluss religiöser Fundamentalisten steht, beginnt einen Krieg gegen einen religiös-fundamentalistischen Staat (Iran) wegen dessen Fundamentalismus.

Sieht man sich die MAGA-Sekte und die Evangelikalen Fundamentalisten in den USA an, dann wird man, es war zu erwarten, viele Gemeinsamkeiten finden: die tiefgreifende Korruption ihrer Anführer (Trump und sein Familienklan bereichern sich in einer Art und Weise, die man davor nur von Warlords in Failed States kannte und die fanatischen Hetzprediger, die sich auf Kosten ihrer Gemeinden ein Luxusleben ungeheuren Ausmaßes verschaffen). Kaum zu unterscheiden sind auch die Anhänger der beiden Gruppen, die sich nicht stören, dass ihrer Anführer nicht zum Wohl aller, sondern nur für das eigene Bankkonto agieren, genauso wie die Verleugnung jeder Realität, die nicht ins eigene Weltbild passt; was wohl beides mit deren geringer Bildung zu tun hat.

Abseits des politischen Irrsinns, der der Welt aus dem Weißen Haus täglich geliefert wird, gibt es noch den Fundamentalismus, der mit der Wahl Trumps antrat, um das Land für eigene Interessen umzubauen, aus einer zuvor führenden Demokratie einen Gottesstaat zu formen.

Wie das unter der sichtbaren Ebene aussieht und welche Ziele hinter den Aktivitäten stehen, damit setzt sich der Journalist Arnd Henze in diesem Buch auseinander. Arnd Henze ist selbst ein führendes Mitglied der protestantischen Kirche in Deutschland und somit auch inhaltlich berufen, die Irrwege und den Irrsinn einer „christlichen“ Kirche, als die sich die Evangelikalen wohl noch immer bezeichnen, zu recherchieren, sie auch für Außenstehende verständlich zu beschreiben und deren Aktivitäten zu bewerten. Die überwiegende Zahl der anderen bzw. wirklich christlichen Kirchen, das beschreibt Henze ausführlich, beteiligt sich nicht an dem religiösen Wahn, folgt nicht dem „Christlichen Nationalismus“, dem so viele Evangelikale Gemeinden verfallen sind.

Die Details über die Umgestaltung in so komprimierter Form zu lesen, verursacht mir tatsächlich extremes Unwohlsein.

Es ist eine Sache, die täglichen Trump-Exzesse und Lügen aus den Nachrichten zu erfahren. Doch so richtig brutal und beängstigend wird es, hier Hintergründe und Querverweise nachzulesen, für die im Tagesgeschehen zu wenig Zeit bleibt.

Die Beschreibung des Backgrounds der wichtigsten Protagonisten des MAGA-Kults erklärt ihre Vorgangsweise und vor allem ihre Agenda. Setzt sich durch, was diese Männer geplant haben und seit der Amtseinführung Trumps konsequent umsetzen, dann bedeutet es, dass aus den USA eine Fundamentalistische Theokratie unter der Diktatur weißer Männer wurde. (Siehe ganz oben).

Vergleiche Trump-USA mit NS-Diktatur?

Arnd Henze nimmt sich auch der Frage an, ob Vergleiche zwischen dem Nationalsozialismus in den 1930ern und dem sich immer deutlicher abzeichnenden faschistischen System Trumps zulässig oder gerechtfertigt sind. Der Schluss ist, dass es sehr wohl einige Parallelen in Zielsetzung und Vorgangsweise gibt. Trumps USA sind zwar kein NS-Staat, jedoch sind einige Elemente des Planes, der unter seiner Führung umgesetzt wird, ganz deutlich mit Hitlers Umbau Deutschlands in eine Diktatur vergleichbar.

Eine Polizeiorganisation (ICE) wurde zu einem der Gestapo ähnlichen Instrument umgebaut, Gegner werden mit der gleichgeschalteten Justiz verfolgt, die Geschichte des Landes wird umgeschrieben, Wahlrechte werden eingeschränkt, Druck wird auf die Medien ausgeübt, die unerwünschtes berichten,  Kirchen spielen eine zentrale Rolle bei der Mobilisierung und Fanatisierung der Anhänger, Medien (wie Fox News), die als Sprachrohr des Faschismus dienen …

Wie es enden wird?

Mit Gott gegen die Demokratie“ ist kein Buch über Trump. Es ist ein Buch über religiösen Fanatismus, den es in den USA immer schon gab. Ohne Trump wäre es aber diesen Extremisten (die, wie Henze beschreibt, nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung sind) nicht möglich gewesen, das Projekt Staatsumbau in Angriff zu nehmen (Angriff ist hier das passende Wort). Der derzeitige US-Präsident ist in seiner Hybris, seiner Überheblichkeit, seiner Ignoranz, seiner Beeinflussbarkeit und seiner Bewunderung für Diktatoren der genau passende Schirmherr für das, was gerade geschieht.

Arnd Henze entwirft, quasi als Resümee all dessen, was er zuvor beschrieben hat, zwei Szenarien für die Zukunft der USA (Dass er dabei auch die Entwicklungen in Europa meint, die zwar noch lange nicht so fortgeschritten ist wie in den USA, liegt auf der Hand und zeigt sich auch in einigen Verweisen im Buch).

  • Worst Case-Szenario: Wie die USA zum Gottesstaat werden
  • Best Case Szenario: Wie die Demokratie gerettet werden kann

Der Ausgang bleibt offen.




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