Buchbesprechung/Rezension:

Walter Benjamin: Berliner Kindheit um 1900

Berliner Kindheit um 1900
verfasst am 19.02.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Erinnerungen, von denen einige uns an unsere eigene Kindheit erinnern könnten. Wie unser junges Ich mit großen Augen auf die seltsam wirkende Welt blickte, wie aus unserer damaligen Perspektive alles so unglaublich groß und vieles geheimnisvoll erschien.

Was allen 41 Kapiteln in diesem Band gemeinsam, das ist der Blickwinkel: wie Walter Benjamin Jahrzehnte nach dem, was er beschreibt, versuchte, den kindlichen Blick wiederzufinden. Wenn das nicht immer zur Gänze gelingt, dann liegt es eben daran, dass uns als Erwachsene die Gedankenwelt der Kindheit eben etwas fremd geworden ist.

Es sind, um es ein wenig zu strukturieren, drei Themen, um die sich alles dreht: 

Der Lebensalltag mit seinen familiären und gesellschaftlichen Konventionen. Zugleich ein Blick auf das Leben und den Alltag zu Beginn des letzten Jahrhunderts und damit für uns ein Einblick in das, was unser Leben heute von damals unterscheidet. 

Berliner, die Hauptstadt des deutschen Kaiserreiches, die nur noch ein paar Jahre des Friedens vor sich hatte. Was die Kapitel über Plätze und Orte in der Stadt Berlin betrifft, fehlt mir leider die Möglichkeit Vergleiche zu ziehen, weil ich die Stadt nicht kenne. Ganz sicher aber finden sich für alle, die Berlin kennen, einige vertraute Plätze, die heute ganz anders aussehen können

Und eben ganz allgemein das Erleben der Welt mit den Augen einen Heranwachsenden. Walter Benjamin erweckt seine Kindheit zum Leben, indem er in 1,2 oder 3 Seiten kurzen Geschichten die Orte, Gegenstände und Situationen von damals betrachtet. Er betrachtet damit nicht nur seine Berliner Kindheit im Speziellen, sondern beschreibt Erinnerungen, die vielen Erinnerungen ähneln, wie wir sie alle haben. Für uns später nebensächliche Dinge erlangen Bedeutung in den Augen eines Kindes, Dinge, die für einen Erwachsenen alltäglich sind, mögen für ein Kind übergroß erscheinen.

Geschrieben wurden die Geschichten in den 1930ern, veröffentlicht jedoch erst 1950, zehn Jahre nach dem Tod Benjamins. 

Die Texte selbst sind recht fordernd formuliert. Weil Walter Benjamin eben aus der Erinnerung beschreibt und sich dabei gerne in ausführlichen Formulierungen und vagen Andeutungen verliert, kann es sich notwendig sein, dass man die eine oder andere Geschichte nochmals liest, weil man zwischendurch den Faden verloren hat. 

Berliner Kindheit um 1900 ist eine Sammlung von Geschichten, aus denen in Summe die Porträts längst vergangener Welten entstehen: das einer Stadt und das eines Lebensabschnittes.




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