Péter Gárdos: Der Retter der Mütter
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Buchbesprechung verfasst von: Harald
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Eigentlich wollte Péter Gárdos einen Film über Ignaz Semmelweis drehen, einen faszinierenden Mann aus dem 19. Jahrhundert. Doch in seiner Heimat Ungarn wurde er daran gehindert. Stattdessen schrieb er einen Roman über Ignaz Semmelweis – seinen zweiten Roman nach „Fieber am Morgen“.
Ignaz Semmelweis beobachtet während seines Studiums bei der Arbeit in der Geburtshilfeabteilung in Pest, dass im Gegensatz zu der Abteilung, in der nur Hebammen arbeiten, weitaus weniger Mütter nach der Geburt versterben.
Semmelweis sucht intensiv nach der Ursache für die hohe Sterblichkeitsrate. Er erkennt, dass es nicht an einer mysteriösen Krankheit liegt, sondern an Bakterien und Verunreinigungen an den Händen der Ärzte. Damals war es üblich, dass die behandelnden Ärzte von Leichensälen oder Operationen direkt zu den Wöchnerinnen gingen. Ohne sich die Hände zu desinfizieren.
Diese Erkenntnis veranlasst ihn dazu, in der Geburtsstation das Waschen der Hände mit Chlorkalklösungen einzuführen. Das Ergebnis ist eine drastische Senkung der Sterblichkeitsrate bei den Wöchnerinnen. Was ein offensichtlicher Erfolg ist, stößt bei seinen Kollegen auf Ablehnung, gepaart mit Neid und dem Festhalten an alten Traditionen.
Semmelweis kämpft in seinem Leben nicht nur gegen diese zum Tode führende Krankheit, sondern vor allem auch gegen soziale Ausgrenzung und die Weigerung, wissenschaftliche Erkenntnisse anzuerkennen.
„… Sind diese Hände schmutzig? … Wahrscheinlich. Ich würde sie nicht schmutzig nennen, sondern eher infektiös …“
Dieser biografische Roman nimmt den Leser mit in eine Zeit, die für uns heute kaum vorstellbar ist. Eine Zeit, in der eine Geburt so gefährlich war wie damals eine Lungenentzündung – oft tödlich. Péter Gárdos stellt die wissenschaftliche Entdeckung in eine für mich spannende Erzählung, vor allem die persönlichen Konflikte mit ihren sozialen Hintergründen.
Fazit:
Der Retter der Mütter ist eine gut geschriebene Geschichte, die deutlich macht, wie schwer radikale neue Ideen in einem etablierten System umzusetzen sind. Péter Gárdos zeigt eindrücklich, dass das, was für uns heute selbstverständlich ist, in seinem Ursprung viele Menschenleben kostete und zahlreiche Kämpfe erforderte.