Buchbesprechung/Rezension:

Aldous Huxley: Zeit der Oligarchen

Zeit der Oligarchen
verfasst am 03.02.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Aldous Huxleys „Zeit der Oligarchen* aus dem Jahr 1946 ist ein düsterer Blick auf eine Welt, die sich nach den überwältigenden Katastrophen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neu organisiert – jedoch nicht zum Besseren.

Entstanden im geistigen Klima der unmittelbaren Nachkriegszeit, trägt das Buch deutlich die Spuren der Erschütterungen durch Faschismus, Weltkrieg, Massenvernichtung und technokratischer Entmenschlichung.

Noch oder wieder oder beides: Damit ist es heute, im Jahr 2026, genauso erschreckend aktuell wie damals und beschreibt, genauso erschreckend, eine Welt, die in ihren Grundzügen genauso aussieht. 

Huxley zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der Macht nicht mehr demokratisch legitimiert ist, sondern in den Händen kleiner, abgeschotteter Eliten liegt – der Oligarchen. Diese herrschen nicht nur über Ressourcen und Produktionsmittel, sondern auch über Information, Ideologie und letztlich über das Menschenbild selbst. Der Einzelne erscheint in dieser Welt weniger als Subjekt denn als verwaltetes Objekt, als Funktion in einem großen, kalten System.

Gerade hier liegt die erste große Parallele zwischen 1946 und 2026. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Menschheit vor der Frage, ob sie aus der Katastrophe lernen oder ihre technischen und organisatorischen Fähigkeiten nur noch effizienter zur Machtausübung einsetzen würde. Huxleys Pessimismus speist sich aus der Beobachtung, dass Zentralisierung, Bürokratisierung und ideologische Verhärtung eher zunahmen als abnahmen. Blickt man auf 2026, erkennt man ähnliche Tendenzen: Globale Konzerne, Finanzeliten und geopolitische Machtblöcke verfügen über einen Einfluss, der demokratische Prozesse oft überlagert oder aushöhlt.

Auch in Bezug auf die Struktur der Wirtschaft sind die Parallelen beinahe unheimlich. Huxley beschreibt eine Welt, in der Reichtum und Macht extrem ungleich verteilt sind und in der die große Mehrheit der Menschen in Abhängigkeit und Unsicherheit lebt. 1946 war dies die Erfahrung zerstörter Volkswirtschaften und sozialer Not; 2026 zeigt sich ein anderes, aber strukturell ähnliches Bild: enorme Vermögenskonzentration auf der einen, Existenzangst auf der anderen Seite. Die Formen haben sich geändert, das System nicht.

Alles das zusammen (und noch viel mehr darüber ist nachzulesen) ist Huxleys Werk nicht nur ein Zeitdokument von 1946 als vielmehr ein Spiegel, in dem sich auch die Welt von 2026 erkennen muss – mit all ihren Fortschritten, aber auch mit ihren gefährlichen Wiederholungen.

Würde aus diesem knapp 80 Seiten umfassenden Essay heute jemand eine Rede machen (ein paar Details modernisiert) und diese vor jedem beliebigen Auditorium halten, so würde man dort diese Rede für eine präzise auf den Punkt gebrachte Analyse des Zustandes der 2020er-Jahre halten.

Es ist sehr erschreckend …




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