Buchbesprechung/Rezension:

Kristin Lukas: Das Letzte, was du siehst


verfasst am 20.02.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Lukas, Kristin, Thriller
LiteraturBlog Bewertung:

Gleich beim ersten Kapitel braucht man einen guten Magen. Dieses „Intro“ sorgt dafür, dass man von Beginn an weiß, dass es nicht zimperlich zugehen wird und dass aus den Tiefen der Seelen mancher Menschen die grausamsten Gedanken aufsteigen.

Nachdem diese erste leichte Übelkeit überwunden ist, geht es danach etwas magenverträglicher weiter (wenn auch einige weitere grausige Taten  beschrieben werden).

Mit der ehemaligen Polizistin und nunmehrigen IT-Beraterin Marie Wagenfeld steht eine Frau mit breit gestreuten Interessen im Mittelpunkt. Mit Datenbanken und Schnittstellen muss sie sich von Berufswegen auskennen. Aus ihrer Vergangenheit als Polizistin hat sie sich das Wissen und die Leidenschaft für Recherche und Ermittlung bewahrt. Dazu lassen sie ihr Kunstverständnis und ihre Kenntnisse über die Bildende Kunst gerade in dieser Serie an Verbrechen Zusammenhänge erkennen, die anderen verborgen bleiben.

Als LeserIn erfährt man viel zu diesen Themen und wird dazu auch einiges über die Immobilienbranche lernen.

In der Immobilienfirma, in der Marie einen aktuellen Auftrag bearbeitet, wird ein führender Mitarbeiter ermordet. In seinem Büro wird der Mann enthauptet aufgefunden und Marie findet den Leichnam. Wenig später trifft Kommissar Kellermann ein, der die Ermittlungen leiten wird – eine Begegnung, aus der sich in der Folge eine enge, wenn auch seltsame Zusammenarbeit zwischen Marie und dem Polizisten ergeben wird.

Ein Thriller, der in viele ganz unterschiedliche Welten führt. Von der Kunstszene bis zur Sado-Maso-Szene, von Datenpaketen und Verschlüsselungen bis den Feinheiten der Immobilienspekulation. Neben der eigentlichen Handlung ist es vor allem die ungemein detailreiche und sachkundige Aufbereitung der Informationen, die für interessante Leseerfahrungen sorgt. Es steht sehr viel Wissen und/oder Recherchearbeit durch die Autorin Kristin Lukas dahinter; ein wirklich beeindruckender Aspekt dieses Romanes.

Wenn so viel Wissen und Information in einem Roman untergebracht werden will, dann besteht zugleich auch die Gefahr, dass anderes verloren geht; in diesem Fall ist es an einigen Stellen die Glaubwürdigkeit. Wie sich eines zum anderen findet, welche Zusammenhänge sichtbar werden, das ist dann und wann einfach zu sehr verschlungen. Dann bremst dieses Zu-Viel an Information und Konstruktion das ansonsten hohe Spannungslevel unnötig ein. Zwischendurch bin ich nicht sicher, welche der angebotenen Informationen tatsächlich zur Story gehören und was davon reines Beiwerk ist.

„Das Letzte, was du siehst“ ist ein Thriller rund um einen Serienmörder und schon im Titel lässt sich einiges aus der finalen Aufklärung herauslesen; und wie hier gemordet wird, das ist recht außergewöhnlich, denn die Autorin hat sich für diesen Serienmörder ein äußert kreatives Konzept überlegt, auf welch vielfältigen Wegen ein Mensch ums Leben gebracht werden kann. Das zu lesen erfordert (siehe oben) gelegentlich einen starken Magen.

An Spannung mangelt es diesem Roman alles in allem nicht – Mit vielen Spuren, vielen Sackgassen in der Ermittlung und folgerichtig vielen möglichen Lösungen wird man als LeserIn immer wieder gefordert mitzudenken, mitzuraten, mitzufiebern. Wenn man etwas bemängeln kann, dann dass insgesamt zu viel in einen einzigen Roman gepackt worden ist.

PS: Auch wenn mich Kristin Lukas‘ Debüt als Autorin nicht komplett überzeugt hat, so freue ich mich doch schon auf die nächsten Thriller mit Marie Wagenfeld (zwei weitere sind mit Stand heute bereits erscheinen).




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