Koytek & Stein: Wien kann sehr kalt sein

In den letzten Monaten hatte ich einige Bücher über das Burgtheater in der Hand: über seine Geschichte oder mit Geschichten, die dort spielen. Jetzt ist auch Conrad Orsini dort gelandet – undercover, im Auftrag der Polizei.

Eine Vorstellung endet mit dem recht grauslichen Tod eines der Schauspieler. Während das Publikum begeistert ist von der scheinbar so realistischen Darstellung des Todes auf der Bühne, herrscht hinter der Bühne das Chaos: denn der Tod ist echt, Josef Meersburg spielt das Ende des König Claudius nicht, er stirbt dort wirklich, aufgespießt und durchbohrt von spitzen Lanzen.

Ein Unfall, darüber gibt es keinen Zweifel. Außer bei Paula Kisch – Orsinis frühere Kollegin und noch immer bei der Kriminalpolizei –  engagiert ihn, um verdeckt zu ermitteln. Orsini taucht ein in diese ganz eigene Welt des Theaters, voll von Intrigen, Hinterlist, Eifersucht und überdimensionalen Egos.

Die beiden bisherigen Orsini-Krimis des Autorenduos Lizl Stein und Georg Koytek zählen für mich zu den besten Wien-Krimis überhaupt. Umso größer war meine Vorfreude auf diesen dritten Roman. Ich hätte mich ein wenig weniger darauf freuen sollen, dann wäre meine Enttäuschung vielleicht nicht ganz so groß gewesen.

Denn “Wien kann sehr kalt sein” vermittelt Kälte nur dort, wo es um die Beschreibung des Wetters im Dezember geht. Kälte durch Gänsehaut ist damit nicht gemeint. Denn vor allem eines fehlt diesem Krimi: die Spannung, die so eine Gänsehaut hervorruft. Es stehen einfach zu viele Wörter im Buch, es wurden viel zu viele Seiten beschrieben, es wird viel zu viel Nebensächliches geschildert und die Handlung wird dadurch – leider, leider – im Verlauf des Buches immer langatmiger und unübersichtlicher.

“Wien kann sehr kalt sein” ist sehr weit weg von der Klasse des Krimis “Der Posamentenhändler”, der im Jahr 2010 mit dem Krimipreis der Stadt Wien ausgezeichnet wurde.


Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top