Dietmar Wachter: Das Mädchen Dori
Inspektor Matteo beginnt zu reisen. Sein letzter Fall

verfasst am 27.12.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Wachter, Dietmar

Nach jahrelanger Tätigkeit bei der Kriminalpolizei sieht der Ermittler Matteo Steininger seinem wohlverdienten Ruhestand entgegen. Doch mit dem gemütlichen Warten auf den letzten Arbeitstag wird es vorerst nichts. Die traurige Geschichte des Roma-Mädchens Dori und die grausame Ermordung von zwei Männern fordern Matteo nochmals enorme Energie ab.

Dori oder Do oder Dobermann. Je nachdem wie das Mädchen aufgelegt ist, so erhält sie von ihrem Umfeld einen der möglichen Namen.

Dori, Tochter von Gabor ist rumänischer Herkunft. Sie zieht mit ihrem Vater quer durch Europa. Als Nomaden bleiben sie nie lange an einem Ort. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit Musik an öffentlichen Plätzen, betteln zerlumpt und verschmutzt um ein paar Münzen um sich ein Stück Brot kaufen zu können. Oft auch klauen sie. Ihr Diebstahl ist schon bald hohe Kunst. Geschickt weiß Dori in Menschenmassen, den Leuten die Geldbörse aus der Kleidung zu zupfen. Obwohl sie meist ohne gleichaltrige Kinder, nur mit ihrem saufenden Vater, unterwegs ist, vermisst sie nichts. Ständig auf dem Weg, nicht sesshaft und nirgendwo wollkommen, so verläuft ihr noch junges Leben.

Dann überschreitet Dori allerdings eine Grenze. Um Geld zu „verdienen“ lernt das kleine Mädchen, ihren Körper einzusetzen. Männer mit pädophilen sexuellen Vorlieben erregen sich an ihrem noch unterentwickelten weiblichen Körper. Dori ist geschickt und lässt die Männer verstummen, wenn sie ihnen mitteilt, dass sie die Pädophilen erpressen würde – immerhin ist Dori noch minderjährig.

Am Gardasee wird die Idee mit ihrem kindlichen Körper Geld zu machen, ihr zum Verhängnis. Wieder einmal von Entzugssymptomen schwer gezeichnet und aggressiv setzt Vater Gabor Dori am Straßenrand aus und fährt mit seinem Kastenwagen davon. Dori ist wieder mal ganz auf sich allein gestellt ist, aber sie ist eine Überlebenskünstlerin. Der Magen knurrt und sie braucht dringend Geld. Das Angebot, zwei Touristen auf ihr Boot zu folgen, nimmt sie an, ohne eine Gedanken daran zu verschwenden, dass sie sich in Gefahr begeben könnte. Und genau das erfährt sie an lebendigem Leib. Dori wird vergewaltigt und wie Müll im Meer entsorgt. Die beiden Männer, von ihr als Dick und Doof bezeichnet, bleiben zurück in dem Glauben, dass das Mädchen ertrunken ist.

Die 12jährige Dori fühlt nichts mehr. Sie ist wie betäubt. Energie hat sie allerdings für eine fixe Idee: das Geschehene zu rächen.

Währenddessen bereitet sich Matteo Steininger in Landstein auf seine Pensionierung vor. Gemütlich werden die letzten Arbeitstage dahinziehen, so sein Plan. Wäre da nicht ein schon im Archiv längst verstaubter Fall dem er sich doch noch widmet. Am Gardasee wird ein bekannter Gönner der Kulturszene tot aufgefunden. Scheinbar von seinem eigenen Auto erdrückt. Zwei mysteriöse Todesfälle, die Matteo zu dem kleinen Roma-Mädchen führen.

Eine Geschichte, die zu Beginn aus der Vergangenheit erzählt und ein Bogen in die Gegenwart gespannt wird. Die Geschichte des Roma-Mädchens wird etwas klischeehaft dargestellt. Betteln, Diebstahl, Prostitution. Trotzdem gelingt es dem Autor, mich mit seiner Sichtweise der Gegensätzlichkeit von Arm und Reich in Europa, verpackt in einen Krimi, einzulassen.  



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