Hanna von Feilitzsch: Mädchen mit Beziehungen

verfasst am 05.10.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biographie, Feilitzsch, Hanna von

Als ich dieses Buch in die Hand bekam freute ich mich, etwas über die Slezaks zu lesen . Bedauerlicherweise kam keine Freude auf. Die Autorin bezeichnet ihr Buch als biographischen Roman. Soll so sein. Wenn der „Romananteil“ sich in sehr ausführlichen Schilderungen über die Beziehung zwischen Margarete Slezak und Adolf Hitler ergeht, schauderte ich jedes Mal. Oder sind diese Passagen ein Teil der Biographie der Protagonistin? Dann würde mich das noch mehr schaudern lassen und erschrecken.

Margarete Slezak machte nie ein Hehl daraus, dass sie jüdischer Abstammung ist; ihre Mutter, Elsa Wertheim, war eine so genannte Halbjüdin. Unabhängig davon, dass Margarete Slezak für mich eine exaltierte, egoistische, karrieregeile Frau ist, beflügelte mich auch der Schreibstil der Autorin nicht, um bei mir Freude aufkommen zu lassen.

Natürlich gibt es auch sympathische, interessante und aufwühlende Passagen, die mich über den Gesamteindruck des Buches hinweggetröstet haben. Besonders die Schilderungen über das Zusammenleben von Leo Slezak und seiner Frau Elsa fand ich sehr berührend. Die Beiden verband eine ganz besondere Beziehung.

Für Margarete war von Kindheit an schon klar, dass sie im Rampenlicht, auf der Bühne stehen will. Ihre musikalische Ausbildung begann mit einer Geige. Beim Erlernen dieses Instruments zeigte sie sehr viel Talent. Ihr Streben ging aber dahin, eine berühmte Sängerin zu werden. Mit Ihrer Ausstrahlung, ihrem Temperament und ihrem komischen Talent, und letztlich auch mit ihrer wunderbaren Stimme, erlang sie Berühmtheit.

Ihr größter Bewunderer war Adolf Hitler. Sehr oft besuchte er ihre Vorstellungen, lud sie zu sich ein, sie sollte auf seinen Feiern singen. Ganz angetan war er von den Anekdoten, die sie ihm über das Künstlerleben erzählte. Leo Slezak warnte sie immer wieder vor diesem Menschen, doch seine Tochter tat das ab. Ihr mangelte es wohl sehr an politischem Interesse und Verständnis. Ihre Beziehung zu Hitler nützte sie auch das eine oder andere Mal aus, um Hilfe für Freunde zu erbitten. Es brauchte sehr lange, bis die feststellte, mich welchem Teufel sie sich da eingelassen hatte.

Bei der Enttäuschung über das Erkennen der Person Adolf Hitler war ihr aber auch in der schwersten Zeit der Kriegsjahre immer ihre Karriere das Wichtigste. Margarete Slezak war süchtig nach Applaus, nach Anerkennung.

Noch eine Bemerkung zur Autorin: ihr Schreibstil kann einem gefallen oder nicht, ihre teilweise auf mich schwulstig wirkende Schilderung der Umjubelung der Protagonistin und der immer wiederkehrenden Beteuerungen ihres Glücks ebenso.

Aber was gar nicht geht, ist ein Satz auf Seite 335: „Die ach so über die Deutschen erschütterten Russen schändeten am helllichte Tage die deutschen Volksgenossinen, und nachts drangen sie in alle Wohnungen ein, um sogar alte Frauen zu beglücken.

Das ist wohl der Gipfel an Geschmacklosigkeit.



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