Edith Parzefall : Die Streuner von Rio

verfasst am 04.06.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Parzefall, Edith, Thriller

Ein Thriller in und über Rio de Janeiro. Zwischen Copacabana und Drogenbossen spielt sich das Leben und Sterben ab. Gerade rechtzeitig zur Fußball-WM 2014 in Brasilien schildert Edith Parzefall das reale Leben in den Favelas.

Lisa ist zur Hälfte Brasilianerin und zur Hälfte Amerikanerin. In Copacabana betreibt sie eine Buchhandlung und führt nebenher auch zahlende Touristen durch die Stadt. Niemand käme auf den Gedanken, dass diese Frau eine dunkle Vergangenheit und eine dunkle Gegenwart hat.

Als Kind war sie eines von vielen, die Opfer von Gewalt und Vergewaltigung wurden, bis sie durch einen väterlichen Freund gerade noch  den Weg aus dem Teufelskreis von Gewalt, Drogen und Tod fand.

Doch Lisa kann nicht vergessen, was man ihr als Kind angetan hat. Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber den Außenseitern der Gesellschaft kann sie nicht einfach hinnehmen. Auf die Behörden, auf die Polizei kann sie nicht vertrauen, die sehen weg, wenn ein Verbrechen geschieht und sie lassen sich für das Wegsehen gut bezahlen.

Lisa ist anders: sie handelt selbst. Alles nimmt seinen Lauf, als sie ein paar Jugendliche, Straßenkinder, bei sich aufnimmt. Sie muß zusehen, wie ein brutaler Überfall auf die Kinder verübt wird, wie einer der Jungen stirbt. Es geschieht am hellichten Tag, mitten auf der Straße und obwohl Lisa der Polizei viele Informationen über die Angreifer liefern kann, unternehmen die Beamten nichts. 

Daraus wird eine Art Mischung aus „Robin Hood“ und „Eine Frau sieht rot“.

Dieser Roman hat eine ganz eigene Stimmung. Es ist kein reisserischer Thriller und trotzdem fand ich mich schon nach ein paar Seiten so richtig gut in die Story hinein, dass die Zeit beim Lesen nur so verflog.

Da ist eine Frau, die für Gerechtigkeit  kämpft, dabei aber ohne zu Zögern auch die Grenzen zum Bösen überschreitet. Der Drogenboss, der seine Widersacher ohne mit der Wimper zu zucken beseitigt, gleichzeitig aber alles unternimmt, dass aus jungen Menschen keine Ganoven werden. Die nach aussen hin so ehrenwerten Mitglieder der Gesellschaft, die abends und nachts auf die Jagd gehen – auf die Jagd nach den Straßenkindern, sie abknallen wie auf einer Treibjagd. Und ein irrer Sex-Triebtäter, der Lisa unbeirrt folgt.

Mit der Fußball-WM rücken auch bei uns in den Medien die noch immer ungelösten Probleme mit den Favelas, der Gewalt auf den Straßen und der Korruption in den Blickpunkt des Interesses. „Die Streuner von Rio“ liefert zu den Fakten die (wenn auch erfundene) Hintergrundstory.

Ein Roman, der einiges über das Rio abseits von Sonne, Sand und Samba enthüllt.



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