Laurent Seksik: Die letzten Tage von Stefan Zweig

verfasst am 11.03.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Comic & Graphic Novel

Zuletzt las ich „Die Welt von Gestern“, Stefan Zweigs Autobiographie. Sie erschien erst, nachdem sich Stefan Zweig und seine Frau Lotte Anfang des Jahre 1942 das Leben genommen hatten. „Die letzten Tage von Stefan Zweig“ beginnen mit der Abreise aus New York im Jahr 1941.

Diese letzte Reise des Kosmopoliten Stefan Zweig führte ihn und seine Frau in ein neues, ein weiteres Exil: Brasilien. Ein zentrales Thema ist dort dann eben seine gerade fertig gestellte Autobiographie. So, wie es hier dargestellt ist, lässt sich erkennen, was er mit diesem Buch bezweckte.Vielleicht bringt das LeserInnen sogar zu dem Entschluß, „Die Welt von Gestern“ selbst zu lesen.

Es wird sicher nicht jederfrau/jedermanns Verständnis für Kunst treffen, die letzten Monate im Leben der beiden als Graphic Novel vor sich zu haben. Wie soll man denn einen Mann beschreiben und darstellen, der selbst wie kaum ein anderer in der Lage war Gefühle mit geschriebenen Worten auszudrücken.

Nun: es ist hier nicht der Anspruch, Literatur mit Graphik zu verbinden, es ist wohl vielmehr der Anspruch, mit Hilfe von Atmosphäre, Farben und Bildausschnitten die Gefühlslage der beiden Vertriebenen zu zeigen und wie sie ihren gemeinsamen letzten Weg bescheiten. Genau das, finde ich, gelingt ganz ausgezeichnet.

So lässt sich diese Graphic Novel viel eher mit einem Film als mit einem Buch vergleichen. Und gewinnt für mich dabei diesen Vergleich haushoch. Dort wo Schauspieler als Personen wirken und sich mit den echten Menschen messen müssen, können Zeichnungen sich ganz auf die Stimmungen einlassen. Man wird nicht sagen, dass Stefan Zweig oder Lotte dies oder jenes nicht so gesagt oder getan hätten, denn eine solche Realitätsnähe erwartet man von den Zeichungen erst gar nicht.

Hier reichen Gesichtszüge, die den Originalen ähnlich sind, um ihre Ängste und Ahnungen eindringlich zu zeigen. Ich finde, das ist sehr einfühlsam umgesetzt; soweit man bei einer Geschichte, die mit dem Freitod der Hauptpersonen endet, denn überhaupt eine solche Einschätzung abgeben kann. Am Ende, zum Ende hin, spürt man förmlich das Verlöschen ..

In jedem Fall eine sehr passende und auch würdevolle Abrundung und Ergänzung  zu Stefan Zweigs selbst verfasster Biographie.



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