Daniel Friedman: Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten

verfasst am 15.03.2014 von | 1 Kommentar
Rubriken: Friedman, Daniel, Romane

Fast 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust wird die Zahl der noch lebenden Täter und die der überlebenden Opfer mit jedem Tag kleiner. Buck Schatz ist mit seinen 87 Jahren einer dieser Überlebenden und hat seit vielen Jahren nicht mehr an die Zeit im KZ an die NS-Verbrecher gedacht, die ihn damals quälten.

Als seit früherer Kriegskamerad Jim Wallace im Sterben liegt, verrät der Buck, dass der Lageraufseher Heinrich Ziegler nicht, wie es überall zu lesen war, von den Russen getötet worden war, sondern dass er aus Deutschland fliehen konnte. Wallacde selbts hatte sich bestechen lassen und Ziegler mit einem ansehlichen Goldschatz im Gepäck davon kommen lassen.

Buck, der pensionierte Polizist, möchte sich zuerst gar nicht mit der Angelegenheit befassen, was sollte denn nach so vielen Jahrzehnten dabei heraus kommen, wenn er sich nun auf die Suche nach dem alten Kriegverbrecher machte.

Bucks Enkel ist es dann, der seinem Großvater davon überzeugt, es zumindest zu versuchen: Heinrich Ziegler zu finden damit der endlich für seinen Taten büßen musste.

Der Goldschatz, der damals mit Ziegler im Kofferraum seines Mercedes verschwand, ist logischerweise Anreiz auch für weniger redliche Jäger. Aus der Jagd nach einem alten Nazi wird ein Wettlauf, bei mit mit sehr harten Bandagen gearbeitet wird, denn egal ob Nazigold, Inkagold oder ganz normales Gold: sobald zwielichtige Gestalten an einer so großen Sache dran sind, gibt es auch Tote.

Zu Beginn scheint es, man liest die Lebensgeschichte eines schrulligen alten Mannes, der sich längst damit abgefunden hat, dass seine Kräfte langsam aber sicher dahinschwinden. Beinahe unmerklich tauchen dann ganz andere Seiten des Buck Schatz auf. Er mag nicht mehr so fit sein wie zu seiner aktiven Zeit und Medikamente gehören zu seinem täglichen Speiseplan; aber die langen Jahre als Polizist wirken in ihm noch immer nach.

Wenn es um Instinkt geht, darum sein Gegenüber blitzschnell einzuschätzen, andere auf Glatteis zu führen und ihnen dabei auf die Schliche zu kommen: dann merkt man ihm sein Alter nicht an, dann ist zumindest so jung wie die anderen. Und das, was für Buck völlig unerklärlich bleibt (Internet, Smartphones und all diese neumodischen Dinge) ist in den Händen seines Enkels gut aufgehoben. Gemeinsam gehen sie es an, Mörder (bald schon sind gibt es mehrere davon) und Goldschatz zu aufzuspüren.

Mit Augenzwinkern beschreibt Daniel Friedman seinen Helden Buck Schatz. Der ist so etwas wie ein „Golden Boy“, versteckt sich, wenn es ihm gerade passt, hinter Gebrechlichkeit und Alzheimer, holt alles aus sich heraus und übertrümpft listig sein Gegenüber, wenn er die Chance sieht, zum Ziel zu gelangen. Dabei ist die „Doppelconferance“ mit seinem Enkel Tequile über weite Strecken köstlich zu lesen; man erlebt förmlich mit, wie beide in sehr unterschiedlichen Welten zu Hause sind, gleichzeitig aber einander so ähnlich, wie es, abgesehen von kleinen Reibereien zwischendurch, Brüder im Geiste nur sein können.

Aus der anfänglich beinahe unscheinbaren Geschichte entwickelt sich schnell ein Krimi, in dem die Jagd nach einem verschollenen Nazischatz allerlei Ungeziefer aus seinen Verstecken lockt. Immer neue dunkle Gestalten tauchen auf, denen das Gerücht über Heinrich Ziegler zu Ohren gekommen war und alle glauben, dass Buck wüsste, wo der Schatz zu finden ist. Nicht zu übersehen ist die bald recht umfangreiche Menge an Leichen, die Bucks (und Tequilas) Weg säumen.

Es wird rasant und spannend; hin und wieder sorgt man sich um Buck Schatz‘ Gesundheit, ist dann aber wieder sicher, dass er schon alles in den Griff bekommen wird.

PS: Wie aktuell das Thema der unbehelligt lebenden NS-Verbrecher noch immer ist, darüber konnte man gerade kürzlich wieder einmal lesen.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Timm am 28.12.2015 um 23:32 Uhr Uhr

    Hallo,
    Ein spannender Thriller ohne erhobenen Zeigefinger mit einem wundervollen Buck Schatz. „Ich mag meine Mitmenschen. Ich kann sie nur nicht ausstehen.“

    Alt, verschroben, grandios, nicht tot zu kriegen. :)

    Bereits nach wenigen Sätzen wusste ich, Buck Schatz, der Senior jüdischer Herkunft, um den es hier geht, macht mich so neugierig, dass die kommende Handlung eigentlich egal ist. Seine bissigen und ironischen Kommentare waren es, die mich zugreifen ließen.

    https://www.netzblogger.net/daniel-friedman-der-alte-dem-kugeln-nichts-anhaben-konnten/23145/

    LG Timm

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