Vargas, Fred: Die Tote im Pelzmantel

Wenn zwei echte Könner ihrer Metiers, wie die famose Krimiautorin Fred Vargas und der nicht minder weltweit bekannte Künstler und Grafiker Edmond Baudoin ein gemeinsames Projekt vorlegen darf man gespannt sein. So geschehen beim vorliegenden Band „Die Tote im Pelzmantel“, nach einer Kurzgeschichte der französischen Schriftstellerin aus dem Jahr 2002.

Baudoin illustrierte das Prosawerk mit seinen eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern und gibt dem faszinierenden Kommissar Adamsberg ein Gesicht. Und es entspricht annähernd jenem Antlitz, das sich mir bei der Lektüre von (ausschließlich in Worten verfassten) Vargas-Romanen in der Fantasie gebildet hat. Ich habe ihn zwar um ein paar Jährchen älter in Erinnerung, aber das würde zu weit führen, sprich wäre Pedanterie!

Zur Handlung: der Pariser Stadtstreicher Pi, der seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Schwämmen, die er in einem Einkaufswagerl durch die Gegend karrt, fristet, wird in einer kalten Winternacht Zeuge eines Mordversuchs an einer prominenten jungen Frau. Nachdem er sich über einem Metro-Schacht zum Schlafen „gebettet“ hat, sieht er, wie die Schüsse aus einem fahrenden Auto abgegeben werden. Gegenüber der Polizei schweigt Pi jedoch beharrlich – nichts gesehen, nichts gehört und ergo nichts zu sagen.

Aber da kommt Adamsberg ins Spiel, der als hervorragender Überwinder von Hindernissen gilt, vergleichbar etwa mit dem amerikanischen Inspektor Columbo, verkörpert durch den leider vor kurzem verstorbenen Peter Falk.

Während langer Gespräche mit Pi gelingt es dem Kommissar durch sein Einfühlungsvermögen und sein Übermaß an Intuition den Schlüssel zur verstockten Seele des Clochards zu finden und den Fall zu lösen. Und nicht nur das, er ersinnt auch eine Möglichkeit, für Pi den Verkauf der Schwämme anzukurbeln – immerhin befinden sich davon 9000 (in Worten neuntausend!) im Besitz des einzigen Zeugen.

Der einzige Kritikpunkt (bedingt durch die Kürze der Vorlage) ist die relative Kürze der „Graphik Novel“, denn nach 50 Seiten ist der Zauber auch schon wieder vorbei, obwohl man gerne noch weiterlesen und vor allem auch weiterschauen möchte. In einem Nachwort („Mit dem Pinsel erzählen, mit Wörtern malen“) gibt der Comic-Publizist Klaus Schikowski einen Überblick zur Geschichte der graphischen Novellen, die sich vor allem in Frankreich großer Beliebtheit erfreuen.

Alles in allem ein sehr kurzweiliges Vergnügen, das für mich allerdings die Lektüre der langen Riemen von Fred Vargas nicht ganz ersetzen kann. Und da kommt ja bekanntlich etwas Neues auf uns zu. Hurra!



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