Basil, Otto: Wenn das der Führer wüsste

verfasst am 09.12.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Basil, Otto, Satire

20 Jahre, mehr oder weniger sind seit dem ersten Atombomben-Abwurf vergangen. Wir befinden uns iregendwann in den 1960er-Jahren und alles ist anders. Die Atombombe fiel nicht auf Hiroshima sondern auf London und die Nazis haben den Krieg gewonnen.

Die Welt ist geteilt in Ost und West. West, das ist das deutsche Reich, mit seinen Vasallen und eroberten Territorien in Amerika. Ost, das ist Japan. Das Reich selbst ist nach dem glorreichen Sieg  immer weiter versunken in Mythen, Aberglauben und Deutschtümelei und wer nicht gerade das Glück hat, dem nordischen Menschenbild zu entsprechen, der ist Leibeigener, Sklave der Herrenmenschen.

Über allem thront der Führer, doch der lebt nicht ewig. Der Tod des strahlenden Helden der Herrenrasse ist dann auch der Beginn vom Ende der Herrschaft der nordischen blonden Blauäugigen.

Eine Was-Wäre-Wenn-Geschichte, die tiefer in die alternative Realität eindringt, als andere – denn Bücher, die eine Geschichte beschreiben, die auf dem Sieg der Deutschen über die Alliierten basiert, gibt es einige. Tiefer hinein geht Otto Basil, weil er den ganzen Führerkult, die Heldenverehrung, die germanische Vergangenheitsglorifizierung bis in den letzten Winkel des Lebens fort schreibt. Namen, Worte, die Sprache, alles ist durchdrungen vom Herrenmenschen-Wahn.

Doch dass sie so herrenmenschig nicht sind, das zeigt sich, als der Führer stirbt und unter seinen wirklichen und seinen Möchtegern-Erben ein deutsch-deustcher Krieg ausbricht und auch die Japaner, der Feind aus dem Osten, eine neue Schlacht um die Weltherrschaft entfesseln. Und dann auch noch die  Erkenntnis, dass in diesen wirren und grausamen Zeit, die Herrenmenschen auch nicht anders agieren, als ihre Sklaven, die ostischen Untermenschen – nicht nur im Volk, nein auch in der herrschenden Klasse, der der Führer wurde ermordet.

So detailliert, wie man beim Lesen diese Fiktion erlebt, könnte es als alternative Geschichte schon fast wieder wahr sein. Ein wenig anstrengend ist es zeitweise, sich durch Abkürzungen, Namen und  Radiomeldungen zu lesen, doch insgesamt wird ein Szenario daraus, das das Fürchten lehren kann.

Am Ende freut man sich, dass es so nicht kam; freut sich, dass aus dem Ostmärkern wieder Österreicher wurden, dass der Ku-Klux-Klan nicht die Oberhand in Amerika gewann, dass der Dalai Lama noch immer lebt und das sind nur ein paar Beispiel dafür, wie unbarmherzig und oft auch derb Otto Basil seine „Satire“ aufbaute.  Eine Satire, die in keinem Moment auch nur den Hauch eines Schmunzelns zulässt, sondern immer nur einen grimmigen Dank dafür, dass wir in einer anderen als der im Buch erzählten Welt leben.

Ok, ausgenommen diejenigen, die sich auch heute, im Jahr 2010, eine „Heimseite“ im Internet leisten, für ihre sozialen Kontakte gerne „Gesichtsbuch“ nützen oder eine Überfremdung beweinen, ohne die es uns Österreicher in Wahrheit überhaupt nicht geben würde – alle die führen aber ohnehin ein Leben in ihrer eigenen, kleinen, verkniffenen Satire.



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