Glavinic, Thomas: Das bin doch ich

verfasst am 22.05.2009 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Glavinic, Thomas, Romane

glavinic-das-bin-doch-ichThomas Glavinic beschreibt in diesem Buch sein (autobiographisches)? Alltagsleben. Mit amüsant  gewähltem Wiener Schmäh geschrieben liest sich das Buch einfach und leicht. Allerdings ist man/frau nie genau sicher, wie viel ironische Autobiografie dieses Buch tatsächlich enthält.

Scheinbar ist Herr Glavinic ein Neurotiker. Unterschiedliche Neurosen und Depressionen plagen ihn. Mehrere. Morgens, beim Duschen, schaut er eine gewisse Körperstelle einfach nicht an. Immerhin könnte es sein, dass sich dort, nämlich genau an dieser, sehr intimen Körperstelle, ein krebsartiges Hodengeschwür breit macht. Nun. Es ist zwar nicht mal ansatzweise so. Doch es könnte ja sein, statistisch gesehen. Also wie mit einem etwaigen künftigen Hodenkrebs umgehen?

Es ist durchaus interessant, wie sehr Herr Glavinic damit beschäftigt ist, sich ganz hedonistischen Lebensweisen hinzugeben. Essen und Trinken, das sind wirkliche Leidenschaften. Weißwein, täglich genossen, macht den Alltag erträglich. Und das Essen am Naschmarkt. Immer im selben Lokal. Und wehe, wenn nicht (etwa, weil das Lokal geschlossen hat), das bringt Ärger mit sich. Jeder hat doch so seine Gewohnheiten, oder?

Wichtig sind für ihn auch Frauen. Die machen ihm aber das Leben auch nicht leichter. Auf der einen Seite steht seine Lebensgefährtin Else und ihr gemeinsamer Sohn, der den Autor aus Wien schlaflose Nächte verbringen lässt. Schön, die Vaterrolle aus der Sicht des Autors zu lesen. Aber eigentlich nervt ihn auch das Wetter, Und dann muss er sich nebenbei mit dem Montieren von Winterreifen herumärgern, dabei kennt er nicht mal die eigene Automarke. Die Farbe des Vehikels, na ja, die wusste er dann doch noch. Das gab schlussendlich dem bereits schmunzelnden Autowerkstättenbesitzer die Sicherheit, das richtige Fahrzeug an den Besitzer zurückzugeben.

Neben seiner Else gibt es eine weitere wichtige Frau in seinem Leben. Die Mutter. Sie hat mit den Schwächen und Marotten des Autors sicher gar nichts, aber schon überhaupt gar nichts zu tun. Sie wartet halt auch nur auf diese kleinen beruflichen Erfolge ihres Sohnes. Die wirkliche Anerkennung einer Veröffentlichung eines literarischen Werkes auf einer wichtige AutorInnen-Liste, einen Preis und eine entsprechende Auflagenhöhe, das wäre doch schön und in der Verwandtschaft könnte man damit ein wenig angeben.

Aber von so manchen Peinlichkeiten weiß sie zum Glück ja nichts. Wüsste sie, wie sich Herr Galvinic auf dem Weg nach Graz – im Zug – sich seines Mageninhaltes entledigt…

Außerdem gibt es im Leben des Herrn Galvinic einen guten Freund. Daniel Kehlmann, dem u.a. der Bestseller „Die Vermessung der Welt“ gelungen ist. Verbunden durch die moderne Technik, Telefon und sms, berichtet Kehlmann beinahe täglich seinem Freund über die nach oben schnellende Auflagenhöhe des Buches. Thomas Glavinic, der ja auch ein Buch geschrieben hat, wartet auf ähnlichen Erfolg. Dieses müsste sich doch auch irgendwie verkaufen bzw. einen Buchpreise, welchen auch immer, erhalten? Was da Freundschaften zusammenhält und was so manche zerstört?

Witzige Geschichte über Literatur und ihre SchreiberInnen, KritikerInnen und ihrer aller in sich verborgenen Schwächen, Marotten und verqueren Lebensanschauungen. Das Alltagsleben, das Warten auf Erfolg und die Kommunikation zwischen kulturschaffenden Menschen und ihren Erwartungen, das macht dieses Buch wirklich lesenswert und auf andere Werke des Autors neugierig.



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