Thomas Glavinic: Der Kameramörder

verfasst am 15.11.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Glavinic, Thomas, Kriminalromane

Zwei befreundete Paare verbringen die Osterfeiertage gemeinsam in der ländlichen Steiermark. Ein gemütliches Osterwochenende soll es werden, so beginnt der Ich-Erzähler. Doch ein grausames Verbrechen, dass im Nachbarort verübt worden sein soll, macht die Idylle zunichte.

Mit ziemlich trockenem und sachlichem Schreibstil beginnt der Autor lapidar seine Geschichte zu erzählen.

Die Lebensgefährtin des Erzählers, Eva,  hat am Tag vor ihrer Abreise übertrieben viel Alkohol getrunken. Trotz leichtem Unwohlsein kommt das Paar bei ihren Freunden, den Stubenrauchs, ohne Zwischenfälle gut an und werden sofort mit einer Jause bewirtet. Sie sitzen im Freien, die Sonne scheint, eine herrliche Idylle am Land. Doch dann zerstört ein unfassbarer Mord das so friedlich begonnene Wochenende.

Am Abend wird über ein grausames Verbrechen berichtet. Unfassbar, ein Doppelmord an zwei Kindern, der von dem Mörder  mit Videokamera aufgezeichnet wurde. Der Mord ist in den Medien ständig präsent. Auch die beiden Paare sind gierig auf jede kleinste Neuigkeit. Sie sind erschüttert, doch gleichzeitig sensationsgeil. Zwischen äußert öden Alltags- und Freizeitaktivitäten kann gerade Heinrich Stubenrauch seine Sensationsgeilheit kaum stillen. Ständig ist er dabei, jedes noch so kleinste Detail über die Tragödie zu erfahren. Dann soll auch noch das Video der Morde im Fernsehen ausgestrahlt werden. Die Einstellung dazu, ob dies mit Moral vereinbar ist oder nicht, bringt die handelnden Personen in heiße Auseinandersetzungen. Dazu kommt das Gefühl Angst, vor allem Eva, die Partnerin von Heinrich, beschleicht ein unheimliches Gefühl, denn der Mörder soll sich in der Gegend aufhalten.

Das Ende ist unvorhersehbar…

Der Roman liest sich wie eine unglaublich distanzierte Berichterstattung über die mediale Vermarktung von Katastrophen. Und doch spürt man die eigene Neugier, der eigene Medienkonsum und seine latent vorhandene Sensationsgeilheit wird kaum mehr hinterfragt …

Ein wirklich lesenswertes literarisches Werk!



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Johannes Evanus am 27.12.2015 um 12:01 Uhr Uhr

    „Das Ende ist unvorhersehbar“

    Soll das ein Witz sein?
    Durch den ersten Satz „Ich wurde gebeten alles aufzuschreiben“ wusste man doch, wer der Mörder sein muss…

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