Lisa Graf: Lindt & Sprüngli - Zwei Dynastien, ein Vermächtnis
Lindt & Sprüngli-Saga (3)
Autorin/Autor:
Genre:
Buchbesprechung verfasst von: Gertie
Online bestellen:
„Lindt & Sprüngli: Zwei Dynastien, ein Vermächtnis“ ist der 3. und letzte Band der Lindt & Sprüngli – Saga von Lisa Graf. Auch wenn ich „nur“ das eBook gelesen habe, dem haptischen Erlebnis das in ein goldfarbenes Cover gehüllte Buch in der Buchhandlung einfach in die Hand nehmen zu wollen, habe ich nicht widerstehen können.
Als im Jahr 1883 die Schweizer Landesausstellung in Zürich stattfindet, will Rodolphe Lindt zunächst gar nicht daran teilnehmen. Er braucht keine Werbung für sein Produkt, er braucht nicht mehr Umsatz und überhaupt, was soll er dort? Gratis Kostproben austeilen? Seine Fabrik kommt ohnehin kaum mit der Produktion nach!
Seine langjährige Freundin und Vertraute Binia Haab kann ihn dann doch noch überreden einen kleinen Stand zu beschicken und arrangiert zusätzlich ein Treffen mit seinem Konkurrenten Rudolf Sprüngli. Lindt, misstrauisch mit einem kleinen Anflug von Paranoia, wittert er doch in jedem Chocolatier jemandem, der ihm sein Geheimnis um die feine schmelzende Schokolade, das Conchieren, abluchsen will, geht nicht auf das Angebot einer Zusammenarbeit ein.
So plätschern die Jahre dahin, die beiden Konkurrenten werden nicht jünger, aber die Chocolade-Hersteller immer mehr. Zwar kennt keiner das Geheimnis des Conchierens, was die LIndt-Schokolade weiter exklusiv, aber teuer bleiben lässt. Doch Suchards Idee, eine Milchschokolade herzustellen, die weniger herb ist, aber dafür bei Kindern besonders beliebt ist, und nur die Hälfte einer Tafel Lindt-Schokolade kostet, wird zu einem Verkaufsschlager. Auch mit Tobler, der zunächst Handlungsreisender für Lindt gewesen ist, erwächst ihm ein neuer Konkurrent.
Meine Meinung:
Autorin Lisa Graf verwendet, wie schon in den beiden Vorgängern, das Betrachten der Ereignisse aus den Perspektiven verschiedenster Protagonisten. So kommen wiederholt Mitglieder der Familien Lindt, Sprüngli oder auch Binia Haab zu Wort, deren Ansichten natürlich sehr subjektiv ist. Die eine oder andere Intrige wird auch gesponnen, wenn es darum geht, den Umsatz zu steigern.
Die Charaktere haben sich weiterentwickelt. Nicht immer zu ihrem oder der Firmen Vorteil. So scheint Rodolphe Lindt nach außen hin einer Art Depression verfallen zu sein. Aber vielleicht genügen ihm seine Einnahmen wirklich und der stete Wettbewerb ist im zuwider. Im Zeitalter der aufstrebenden Industrialisierung ist seine Genügsamkeit für seine unmittelbare Umgebung wohl irritierend. Die wohl bedeutendste Entwicklung macht wohl Binia Haab durch. Von der ehemaligen Bewohnerin des Arbeiterviertels steigt sie durch Fleiß und Geschäftssinn zu einer geachteten Geschäftsfrau. Ein persönliches Glück an der Seite von Rodolphe ist ihr aber wegen des Standesunterschiedes nicht vergönnt. Hier ein Happy End herbei zu zaubern, wäre nicht realistisch.
Im Nachwort erfahren wir einiges über die weitere Firmengeschichte. Bei einem Aufenthalt in Köln habe ich das Schokolademuseum der Fa. Lindt besucht.
Dieser Abschluss der Trilogie rund um die weltberühmten Schweizer Chocolatiersfamilien Lindt & Sprüngli ist wieder penibel recherchiert und opulent erzählt. Allerdings ist für mich der Charme der Anfänge im Laufe der Zeit verloren gegangen. Vielmehr haben Gewinnmaximierung, Druck auf die Arbeiter und Absatzsteigerung das Szepter übernommen. Eine Entwicklung, die viele Familienbetrieb und Manufakturen unterworfen waren und noch immer sind. Neue Produktionsmethoden sowie Änderungen in der Rezeptur fordern ihren Tribut. Ich persönlich habe den Eindruck, dass sich, seit die Lindt-Schokolade mit Produkten wie die Lindor-Kugeln ein leicht erhältliches Massengut geworden ist, der Geschmack und die Qualität verändert hat.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Abschluss der Trilogie wieder 5 Sterne.