Joël Dicker: Der äußerst katastrophale Ausflug in den Zoo
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Ein Roman, den ich so von Joël Dicker nicht erwartet hätte. Kein Thriller, sondern ein Buch, das die Welt aus der Sicht von Kindern beschreibt.
Oje, ein Erwachsener schreibt aus der Sicht eines Kindes – wird das nicht schiefgehen? Nein, wird es nicht, denn Joël Dicker umgeht das geschickt, indem er die erwachsene Joséphine ihre Geschichte von damals erzählen lässt.
Womit ich in ein Buch einsteige, das voller Überraschungen, urkomischer Situationen und Dialoge und einiger Weisheiten ist, wie sie wohl nur von Kindern ausgesprochen werden können.
Die Ausgangslage kurz erklärt:
Joséphine ist das einzige Mädchen in einer Förderschule, die sie gemeinsam mit fünf Buben besucht. Sie alle haben bestimmte Eigenheiten, die sie vom üblichen Verhalten von Kindern ihres Alters unterscheiden. Wobei der Begriff „Förderschule“ nicht weiter erklärt wird. Dicker verteilt auch keine Diagnosen, sondern lässt seine sechs Kinder einfach so sein, wie sie sind – mit ihren Besonderheiten, ihrer Neugier und ihrer sehr eigenen Sicht auf die Welt.
Diese Förderschule wird eines Tages Opfer einer Überschwemmung, für die jemand absichtlich gesorgt hat. Die Abflüsse wurden verstopft und alle Wasserhähne aufgedreht – von solchen „Streichen“ haben wir auch schon in den Nachrichten gehört –, und das auslaufende Wasser hat so gut wie alles zerstört. Joséphine, ihre fünf Freunde und die Lehrerin Mademoiselle Jennings stehen nun quasi vor den Überresten ihres Lebensinhaltes.
Doch zum Glück bietet der Direktor der regulären Schule gleich nebenan einen Raum an, in dem die Förderschule vorerst weiterlaufen kann. Dort treffen die sechs Kinder allerdings auf eine Welt, in der nicht alle mit ihren Eigenheiten so selbstverständlich umgehen wie Mademoiselle Jennings. Auch das sorgt für einige sehr komische, manchmal aber durchaus nachdenklich machende Situationen.
Die erste Katastrophe, die Überschwemmung, ist somit einigermaßen glimpflich ausgegangen, war aber, wie sich herausstellt, nur der Startschuss für ganz viele weitere Katastrophen. Zuerst einmal beschließen die Kinder, auf eigene Faust zu ermitteln, wer ihre schöne Schule zerstören wollte. Und irgendwann steht dann auch noch jener Zoobesuch bevor, den der Titel bereits ankündigt – und der natürlich nicht annähernd so abläuft, wie sich das die Erwachsenen vorgestellt haben.
Was folgt, sind wirklich großartige Szenen, bei denen man sich die Kinder, altklug und neugierig, wie sie sind, bildlich vorstellen kann – und auch, wie sie damit manche Erwachsene an die Grenzen ihrer Geduld bringen. Aber gegenüber Kindern muss man ja immer fröhlich bleiben, und das ist manchmal wirklich anstrengend.
Nebenbei erzählt Dicker ganz unaufdringlich auch über Toleranz, Vorurteile, Inklusion und darüber, dass Erwachsene zwar gerne glauben, die Welt besser zu verstehen als Kinder, dabei aber nicht immer recht haben.
Spoiler: Alles geht gut aus!
Aber bis dahin geht es überaus turbulent zu, manchmal wie in einem Slapstick-Film. Joël Dicker scheint wirklich Spaß beim Schreiben dieses kleinen Romans gehabt zu haben, das liest man in jeder einzelnen Zeile.
Ein Spaß, der sich zur Gänze auf die Leserinnen und Leser überträgt.
Dieses Buch sollte man nicht verpassen!