Bernhard Aichner: Totenfrau – Die Rückkehr
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Es sind zehn Jahre vergangen, seit Blum mit Reza in Kroatien ein neues Leben begonnen hat. Jetzt ist es, als würde die Vergangenheit erwachen – und zwar mit enormer Wucht.
Unter neuen Namen haben sich die beiden eine Existenz aufgebaut, in der Blums früheres Leben keine Rolle mehr spielt. Die Serienmörderin Blum wird zwar noch immer gesucht, aber als die Frau, die sich jetzt Marie nennt, kann sie gemeinsam mit Reza, der nun Halim heißt, im selbstgewählten Paradies leben. Eine Segeljacht, zahlende Gäste, die sie entlang der Küste schippern, Sonne, Meer und das Gefühl, dem alten Leben endgültig entkommen zu sein. Sie genießen jeden einzelnen Tag.
Doch natürlich wäre Blum nicht Blum, wenn dieses Glück von Dauer wäre.
Dann treffen Walter und Ruth ein. Sie haben einen Törn gebucht, wirken wie ein glückliches Paar, und dieses Glück wird nur noch einen Tag anhalten. Denn am nächsten Morgen wacht Walter nicht mehr auf, friedlich im Schlaf gestorben. Wie aber soll Blum einen Toten an Bord melden? Die Polizei würde kommen, es gäbe Fragen, Überprüfungen, Namen, Papiere – und vielleicht entdeckt jemand durch Zufall, dass Marie in Wahrheit Blum ist. Die Totenfrau.
Es findet sich zwar eine Lösung für dieses Problem, doch wenig später liegt erneut ein Toter im Boot. Damit beginnt eine Kette von Ereignissen, die Blum und Reza immer stärker in die Vergangenheit zurückzieht. Was zuerst ein einzelner Todesfall ist, wird zu einer Bedrohung, die nicht nur ihr neues Leben gefährdet, sondern auch jene Menschen, die Blum um jeden Preis schützen will. Kroatien, das Meer, die Jacht, das alles ist plötzlich nicht mehr Zuflucht, sondern Falle.
Wie immer ist Bernhard Aichner unbarmherzig. Er hat kein Mitleid mit Blum und auch nicht mit seinen Leserinnen und Lesern. Kaum hat man sich auf die neuen Verhältnisse nach einem der vielen dramatischen Ereignisse eingestellt, ändert sich im nächsten Kapitel alles. Es gibt nur eine Regel: Nichts und niemand ist sicher, alles kann geschehen, nichts ist undenkbar.
Vor neun Jahren erschien der dritte und bisher letzte Teil der Thrillerreihe mit der Totengräberin Blum. Es war also Zeit für ein Sequel, das den passenden Titel „Die Rückkehr“ trägt. Man muss übrigens nicht befürchten, zu wenig über die Vorgeschichte zu wissen. Sie wird im benötigten Umfang portionsweise serviert – die Besprechungen zu den anderen sind → hier.
Zusammengefasst
Das Vorhaben, an die starken und erfolgreichen früheren Blum-Thriller anzuschließen, ist verständlich. So ganz gelingt es für mich aber nicht. Es haben sich ein paar für Aichner-Romane eher untypische Längen eingeschlichen. „Die Rückkehr“ ist zwar wieder ein Pageturner voller schockartiger Wendungen, wie auch die drei bisherigen Thriller. Aber die letzte prickelnde Spannung fehlt mir diesmal ein wenig.
Das mag auch daran liegen, dass ich Aichners stakkatoartige Texte liebe, die hier allerdings etwas zu kurz kommen. Dabei ist es doch gerade dieser unverwechselbare Aichner-Stil, der seinen Thrillern den finalen Touch gibt: kurze Sätze, harte Schnitte, Dialoge wie Schläge, keine langen Umwege. In „Die Rückkehr“ ist davon einiges vorhanden, aber für mein Gefühl eben nicht ganz so konzentriert wie früher.
Das lässt sich freilich auch anders sehen:
Wer mit diesem Thriller erstmals ein Buch von Bernhard Aichner liest, wird ganz sicher ein Fan werden. Denn meine leicht kritischen Bemerkungen ändern nichts daran, dass *Totenfrau – Die Rückkehr* ein Thriller ist, der aus der Masse der Neuerscheinungen sehr deutlich hervorsticht.
Gute und spannende Unterhaltung!