Buchbesprechung/Rezension:

Agatha Christie, Pascal Davoz: Und dann gab's keines mehr

Und dann gab's keines mehr
verfasst am 08.08.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Zehn Menschen auf einer Insel, ein abwesender Gastgeber, eine Stimme aus dem Grammophon und eine Anklage, die alle im Raum betrifft: „Und dann gab’s keines mehr“ gehört zu den bekanntesten Kriminalromanen von Agatha Christie.

Die Geschichte braucht keinen Hercule Poirot, keine Miss Marple und auch keinen anderen ihrer berühmten Detektive oder Detektivinnen. Gerade das macht einen Teil ihrer besonderen Wirkung aus. Niemand kommt von außen, um Ordnung in das Geschehen zu bringen. Die Figuren sind mit sich selbst, ihren Geheimnissen und der wachsenden Angst allein.

Die Graphic-Novel-Version von Pascal Davoz und Callixte nimmt das alles auf. Zehn einander weitgehend fremde Menschen werden nach Soldiers Island eingeladen. Ihr Gastgeber bleibt unsichtbar, doch bald wird klar, dass keiner zufällig dort ist. Jeder von ihnen trägt eine Schuld mit sich, die nie vor Gericht verhandelt wurde. Als die ersten Todesfälle eintreten und sich das bekannte Kinderlied von den „zehn kleinen Kriegern“ auf unheimliche Weise zu erfüllen scheint, wird aus dem Aufenthalt auf der Insel ein tödliches Spiel, vor dem niemand fliehen kann – und mit jedem weiteren Opfer wächst der Verdacht unter den Überlebenden.

Pascal Davoz schafft eine sehr gute textliche Adaption. Die Geschichte wird verdichtet, ohne das Thema zu verlieren, Davoz hält die Handlung klar, gut nachvollziehbar und kompakt udn verschofft doch jeder Figur ein Eigenleben. 

Besonders gut getroffen finde ich die Illustrationen von Callixte, er trifft die undurchschaubare Atmosphäre auf Soldiers Island haargenau. Die Insel wirkt abgelegen, kühl und bedrohlich, ohne dass ständig dramatische Effekte nötig wären. Viel entsteht durch Blicke, Schatten, enge Räume und die wachsende Anspannung in den Gesichtern der Figuren. Callixte macht sichtbar, was im Roman vor allem zwischen den Zeilen entsteht: Misstrauen, Angst und die Frage, wer als Nächster sterben wird.

„Und dann gab’s keines mehr“ ist eine gelungene, atmosphärische und sehr gut lesbare Graphic-Novel-Adaption eines der berühmtesten Christie-Romane. Pascal Davoz verdichtet den Text mit sicherem Gespür für Aufbau und Spannung, während Callixte mit seinen Zeichnungen die beklemmende Stimmung der Insel eindrucksvoll transportiert.

Für Christie-Leserinnen und -Leser ist der Band willkommener neuer Blick auf den Klassiker; für Neueinsteiger vielleicht ein guter Eintritt in das Agatha Christie-Krimiuniversum.




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