Buchbesprechung/Rezension:

Wolfgang Schorlau: Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter

Der unaufhaltsame Aufstieg des Ministers Karsten Richter
verfasst am 01.03.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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(K)ein Schelm, wer bei dieser Satire an bestimmte Personen aus der gegenwärtigen Politik denkt.

Seit langen frage ich mich, ob Satire überhaupt noch möglich ist, wenn Politik und Politiker quasi selbst täglich neue Satire-Programme schreiben.

Dann fällt mir aber ein, dass das, was über die Nachrichten zu uns gelangt, von den involvierten Protagonisten todernst gemeint und weniger satirisch als dilettantisch ist. Dazu kommen noch die Politikdarsteller, die den Job sowieso nur machen, um sich selbst zu bereichern und schon haben wir sie gefunden: die Ursachen für die unsichere Zukunft unserer Demokratie.

Fazit: Satire braucht es weiterhin, denn versehen mit einem Schuss Humor kommt die Botschaft bei den Menschen eben leichter an.

So viel zur Vorrede zu dieser schmalen, 160 Seiten umfassenden Politsatire über die gegenwärtige Generation an Volksvertreterinnen und Volksvertretern, am Beispiel Deutschland.

Als ob wir ähnliches nicht schon kennen würden: Ein Vertreter der Gas-Lobby ist der designierte Wirtschaftsminister. Absehbar, welche Richtung die Wirtschaftspolitik unter diesem Karsten Richter nehmen wird, Zukunftslösung eher weniger, Ertragssicherung und -maximierung für die Gasbranche schon viel eher. Alles könnte also perfekt laufen, hätte dieser Herr Karsten Richter nicht eine Mutter, die genau am gegensätzlichen Ende des Spektrums steht: als Spät-68erin ist sie nämlich felsenfest auf der Seite der Umweltschützer.

Und ausgerechnet Mama Richter startet kurz vor Richters Ernennung eine Kampagne gegen ihren Sohn. „Öko-Sau“ nennt sie ihn in aller Öffentlichkeit, ergänzt um den wenig schmeichelhaften Zusatz „korrupte“.

Mama ist also dabei, ihrem Sohn die ganze schöne Politkarriere zu versauen. Der Kanzler stellt schon ein Ultimatum: Sollte Mutter Richter nicht aufhören, ihren Sohn öffentlich bloßzustellen, dann fällt das auf die Partei zurück und der Posten wäre für ihn unerreichbar. Mutter muss also zum Schweigen gebracht werden, wenigstens bis nach Richters Angelobung. Guter Rat ist teuer.

Als alles verloren scheint, wird jemand – ohne es zu wissen – zum Retter in der Not für Richter (und handelt sich selbst 

Inmitten der turbulenten Komödie, die sich entwickelt, blitzt natürlich eine ganze Menge unserer Wirklichkeit durch. Satire kann gar nicht anders, als Realitäten zu nehmen und sie durch überspitzt erst so richtig deutlich zu machen;  und das meistens wirkungsvoller als sachliche Debatten.

Mit seinem Protagonisten Karsten Richter erfindet Walter Schorlau so etwas wie den Muster-Typen eines eindimensionalen, macht- und geldgesteuerten und – Mutter Richter hat ja so recht – korrupten Karrieristen. Einen jener Typen, die in viel zu großer Zahl Entscheidungen treffen oder beeinflussen, die das Leben aller beeinflussen. Dass das nicht zum Wohl aller, als der, die an der Wahlurne gewählt haben, geschieht, wissen wir. 

Alles dreht sich darum, dass es Leute gibt, die in vollem Bewusstsein des Schadens, den sie anrichten, dennoch immer wieder Entscheidungen zugunsten eines kurzfristigen Gewinns treffen. Nach mir die Sintflut eben.

Das alles bringt Wolfgang Schorlau ganz wunderbar auf den Punkt – indem er die Chronik der gar nicht so abwegigen Politikerlaufbahn eines Mannes beschreibt, der wie von selbst Karriere macht.




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