Moa Berglöf, Joakim Zander: Die Stockholm-Protokolle
Gefährliche Beziehungen
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Wo endet Loyalität und wo beginnt Verantwortung?
Im Zentrum des Geschehens stehen Julia, die Journalistin mit unstillbarer Motivation, die Hintergründe der Politik zu hinterfragen und aufzudecken; und Alfred, Julias Lebensgefährte, der überraschend zum Pressesprecher des Ministerpräsidenten Schwedens berufen wird. Alfreds Wechsel in die Politik, direkt ins Zentrum der Macht stellt die Beziehung der beiden auf eine harte Probe.
Während Alfred sich zunächst geehrt fühlt, das Angebot überhaupt bekommen zu haben, vermutet Julia dahinter einen Schachzug der Regierung, um sie ruhig zu stellen. Denn sie hatte wenige Monate zuvor schon einen Fall von unzulässiger privater Verwicklung aufgedeckt, was zu einer Entlassung in der Regierung führte.
Schauplätze der Ereignisse sind Stockholm und Brüssel. In Brüssel hatte die Politkarriere des Ministerpräsidenten begonnen, der nach seiner kurzen Zeit als Europaabgeordneter der liberalkonservativen Partei „Die Moderaten“ eine steile Karriere in Schweden begann. Noch von ihren früheren Recherchen weiß Julia, dass es Lücken in seinem Tagesablauf gab, über die es keine Aufzeichnungen gab; auch als Ministerpräsident benützt er seine Aufenthalte in Brüssel immer wieder für verlängerte Aufenthalte, für die es keine Begründungen und vor allem keine Zeugen gibt.
Julia vermutet, dass der beliebte Ministerpräsident sein Ansehen in der Öffentlichkeit nützt, um im Hintergrund eine Europa-Allianz seiner Konservativen mit den Rechtspopulisten zu schmieden. Von ihrer Redaktion wurde sie zwar ganz eindeutig von den Recherchen in der Politik abgezogen, doch die Ernennung Alfreds beunruhigt sie dermaßen, dass die heimlich weiter recherchiert.
Auf der anderen Seite stößt Alfred bei seiner Arbeit selbst bald auf mysteriöse Vorgänge, die ihn daran zweifeln lassen, ob er den Job als Pressesprecher wirklich nur wegen seiner Qualitäten als PR-Mann bekommen hatte, oder ob Julia mit ihrer Vermutung nicht doch recht hatte.
Die Hintergründe
Setzt man die Ereignisse in die Realität unserer Gegenwart, dann wird man wahrscheinlich beim Lesen das Gefühl bekommen, dass viel enthalten und beschrieben ist, das so oder so ähnlich tatsächlich ablaufen könnte. Das ist nicht verwunderlich, denn die eine Hälfte des Autorinnen-Teams hat viel Erfahrung in genau diesem Umfeld: Moa Berglöf war viele Jahre lang Redenschreiberin des schwedischen Ministerpräsidenten und hat damit Einblicke aus erster Hand.
Was in der Story als durchaus realistisch erscheint, das ist der – vorläufig noch verdeckte – mögliche Aufbau einer Allianz Konservativer mit Rechtspopulisten. In Österreich wissen wir seit der Zeit des Kanzlerdarstellers Sebastian Kurz, wie geschmeidig sich sogenannte Konservative mit den Rechtsaußen-Parteien zusammentun können und wie gerne die Konservativen unseres Landes Koalitionen mit den Populisten eingehen, nur um an der Macht zubleiben (Wobei es natürlich auch Beispiele für ähnliche Vorgänge in anderen Ländern Europas gibt).
So aktuell dieses Thema auch ist und Stoff für einen Thriller hergibt: Die Spuren bei der Recherche Julias führen bald in eine ganz andere, unerwartete Richtung und auch Alfred stößt auf Informationen, die ein neues Licht auf den Ministerpräsidenten und seine Mitarbeiter werfen. Würde eine Allianz mit den Populisten nur für Schlagzeilen sorgen, muss das was Julia und Alfred entdecken, unbedingt vertuscht werden. So sehr, dass dabei Leben einzelner in Gefahr gerät.
In der gemeinsamen Arbeit von Moa Berglöf mit dem Juristen und Autor Joakim Zander, der zum Themenkreis EU schon Thriller veröffentlicht hat, ist mit „Die Stockholm Protokolle“ ein Roman entstanden, dem man anmerkt, dass dahinter eines Wissen über die Vorgänge in Stockholm und Brüssel steht.
An Rasanz mangelt es nicht. Nach ein paar Kapiteln, in denen man sich mit den handelnden Personen und den Schauplätzen vertraut macht, zieht das Tempo der Handlung zunächst langsam, dann immer mehr an. Im letzten Drittel wird der Thriller dann auch tatsächlich zu dem Pageturner, als den ihn der Rowohlt-Verlag im Klappentext zu Recht bezeichnet.
Und am Ende ergibt sich auch noch ein überaus bedeutsames Resümee, eines, das sich ganz eindeutig herauslesen lässt: Die Presse als vierte Säule unserer Demokratie ist unersetzlich.
Auch wenn die Handlung in diesem Buch fiktiv ist: Was man liest, beschreibt indirekt auch die permanenten Angriffe auf die Pressefreiheit durch Demokratiezerstörer wie Orban, Trump und Konsorten.
Zusammengefasst
„Die Stockholm Protokolle“ ist zu Beginn spannend, dann zunehmend fesselnd – ein Thriller, der perfekt in unsere Zeit passt!