Christian Klinger: Giovanni, du stinkst
Tod am See - Sinovats ermittelt
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Eine Ferienhaussiedlung an einem Baggersee im Burgenland.
Was für eine Idylle, was für ein Traum!?
Ja, das könnte man meinen.
Ein bisserl Kaisermühlen Blues-Atmosphäre macht sich breit, während wir einige der Bewohner der 200 Parzellen rund um den See kennenlernen.
Einen, einen Herrn Wolk, hat man noch gar nicht persönlich kennengelernt, da ist er schon tot. Ertrunken bei seiner morgendlichen Schwimmrunde im See. Ja, wenn es nur so einfach wäre, denn was wie ein Unfall aussieht, ist vielleicht gar keiner. Schlecht für Herrn Wolk ist aber sowieso, dem es egal sein kann, wie er ums Leben gekommen ist,
Giovanni „nenn mich Hannes“ Sinovatz ist für sein Alter recht alt. Körperlich sicherlich auch, weil mit Bewegung hat er es nicht so, hauptsächlich ist er es aber im Kopf – so ein Früher war alles besser-Typ … und das in seinen 40ern. Bezirksinspektor Giovanni Sinovatz vom LKA in Eisenstadt trifft am Ort des Geschehens ein. Er ist, wie er beruhigt feststellt, nicht umsonst hergefahren, denn nach dem ersten Befund der Pathologin besteht fest; ertrunken ist Herr Wolk zwar, aber unter seltsamen Umständen. Womit hat er es also zu tun? Einem Verbrechen, einem Unfall, einem zufälligen Ereignis?
Bevor es richtig zur Sache geht, ist es unbedingt angebracht, einen Blick hinter die Kulissen der Szenerie rund um den See zu werfen, die von so viel unterschiedlichen Leuten bevölkert ist.
Dem Chirurgen, den nach seiner Scheidung der Lebensmut verlassen hat. Dann das Techtelmechtel zwischen Nachbarin und Nachbar, das nur mit viel Glück verborgen bleibt. Dem alten Ehepaar, das aus Gewohnheit zusammenlebt, wobei Gewohnheit ja nicht immer schlecht sein muss. Dem untreuen Ehemann. Dem aus den 1970ern übrig gebliebenen Möchtgern-Schamanen … und auch Bezirksinspektor Sinovatz ist mit seinem Mutterkomplex ein seltsamer Typ.
Lauter ganz unterschiedliche Typen, die aber etwas gemeinsam gaben: Sie wurden erstens: Zeugen eines ganz und gar ungewöhnlichen Erdbebens an Baggersee und alle haben zweitens: einen Brief erhalten. Der kommt vom Verpächter der Parzellen rund um den See, der darüber informiert, dass er die Pacht gleich auf das fünffache anheben wird. Warum? Weil er es kann und weil er eben einer ist, der sich wie ein Feudalfürst verhält.
Christian Klinger zeigt mit diesem „Antikrimi“ erneut seine schriftstellerische Vielseitigkeit. Neben ernsthaften Krimis, Kurzkrimis, historischen Krimis, Romanen, in denen er aus einer historischen Randnotiz eine ganze Geschichte entwickelt, sind es eben auch Krimi-Satiren wie diese (übrigens nicht seine erste), die zu seinem Repertoire zählen.
Und wie komme ich auf den Kaisermühlen Blues-Vergleich?
Christian Klinger fängt – eben ähnlich wie in der ikonischen TV-Serie von Ernst Hinterberger – die Varianten des Homo Austriacus mit seinen typischen Verhaltensweisen anhand vieler Beispiele großartig ein. Vom genervten Abteilungsinspektor bis zum skrupellosen Grundbesitzer mit Allmächtigkeits-Syndrom haben sich Menschen aller möglichen Charaktertypen rund um den Baggersee versammelt um für diesen „Antikrimi“ ein kurzweiliges Drama aufzuführen.
Kurzweilig sind die Story, die flott voranschreitet und kurzweilig ist der Schreibstil, der mit jeder Menge augenzwinkernder Seitenblicke durchsetzt ist.
Das macht, alles zusammen genommen, Spaß und das Buch zu einer überaus unterhaltsamen Lektüre: eine turbulente Story, schwungvoll erzählt!
PS: Passend zur Einordnung als „Antikrimi“ hat das Buch auch einen „Antititel„: „Giovanni, du stinkst“ ist ja nicht wirklich ein einladender Buchtitel.