Buchbesprechung/Rezension:

Klaus-Jürgen Bremm: Amerikas unwahrscheinlicher Sieg
Der Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783

Amerikas unwahrscheinlicher Sieg
verfasst am 07.01.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Aus kontinentaleuropäischer Sicht ist das entscheidende historische Ereignis am Ende des 18. Jahrhunderts die Französische Revolution.

Die Unabhängigkeit der britischen Kolonien in Nordamerika ist zwar als Ereignis bedeutsam und findet Eingang in unseren Geschichtsunterricht, die vielen Details dazu und wie sehr die Gründung der Vereinigten Staaten zugleich auch eine teilweise innereuropäische Angelegenheit war, das ist nicht allzu bekannt.

Betrachtet man die Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 nicht als singuläres Ereignis, sondern als Teil einer jahrelangen Entwicklung, dann wäre ein Datum, mit dem man beginnen kann, das Ende des 7-jährigen Kriegs, der zwischen Frankreich und Großbritannien auch in Nordamerika ausgetragen wurde, im Februar 1763.

Die bis dahin Seite an Seite stehenden Kolonisten und Briten entfernten sich durch von den Kolonisten strikt abgelehnte Versuche, Steuern in unterschiedlicher Form an die britische Krone abzuführen. Das mündete in die Boston Tea Party, dem ersten bedeutenden Zeichen des Widerstandes. 

Klaus-Jürgen Bremm beschreibt und erklärt, wie sich aus der Forderung nach weitergehender Selbständigkeit eine Revolution entwickelte, die für das Weltreich Großbritannien eine empfindliche Niederlage brachte.

Es ist die Abfolge von militärischen Siegen und Niederlagen, falschen Entscheidungen auf beiden Seiten, wechselnden Allianzen und vor allem einer Geschichte, die auch ganz anders hätte enden können.

Der Unabhängigkeitskrieg war keine Einbahnstraße in die Unabhängigkeit, sondern entschied sich an einer Vielzahl an Wegpunkten, bei denen Chancengleichheit für beide Kriegsparteien bestand. Anhand der umfangreichen Beschreibungen Bremms lässt sich erkennen, dass George Washington als Oberbefehlshaber zwar viele Fehler beging, die britischen Befehlshaber aber noch mehr. Vor allem wurden die amerikanischen Armeen lange Zeit von den Briten als nicht gleichwertig angesehen und daher unterschätzt.

Es ist ein Buch voller Informationen, die ich noch nicht kannte. Eine davon ist, dass es in den Kolonien große Fraktionen, die Loyalisten, gab, die zwar Autonomie vom Mutterland anstrebten, aber weiterhin als Teil Großbritanniens den König anerkennen wollten. Die verfehlte Politik, die vom Parlament in London ausging, einte aber letztendlich alle Fraktionen zu einer einheitlichen Front gegen die britische Herrschaft.

Welche Rollen die bedeutenden Protagonisten auf allen Seiten des Konfliktes spielt, wer welchen Einfluss hatte, ist ein wichtiger Bestandteil dieser Chronik.

Alles zusammen nehmen die historischen Fakten einiges von dem heroisierenden Gründungsmythos, dem die zu überbordendem Patriotismus neigend Amerikaner nachhängen. Eines dieser Fakten ist, dass es die Amerikaner ohne die militärische und finanzielle Unterstützung Frankreichs am Ende möglicherweise nicht geschafft hätten, ihre Unabhängigkeit dauerhaft zu festigen.

Ein zweites Faktum betrifft einige der führenden Persönlichkeiten auf amerikanischer Seite. Darunter waren viele Sklavenhalter, allen voran George Washington. Einer der ersten Anordnungen Washingtons nach dem Sieg war bezeichnenderweise, die unter den Briten befreiten Sklaven umgehend wieder zu den früheren „Besitzern“ zurückzubringen oder zu verkaufen. 

Das zur allgemein gültigen Substanz des Textes der US-Hymne – „Land of the Free …“. Eine Textzeile, die auch den US-Amerikanern selbst eine Realität suggeriert, die es damals nicht gab und die auch bis heute noch nicht wahr geworden ist.




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