Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Fünf Jahre sind seit dem Erscheinen des ersten Buches der Thrillerreihe rund um Hannah Wester vergangen, jetzt erzählt Hans Rosenfeldt im zweiten Band die Geschichte weiter.
Im Jahr 2020 gab Hans Rosenfeldt mit „Wolfssommer“ nach seiner jahrelangen Zusammenarbeit mit Michael Hjorth sein höchst erfolgreiches Solo-Debüt. Das Buch wurde in dreißig Länder verkauft.
Der neue Roman „Die Farm der Mädchen“ knüpft in seiner Rahmenhandlung an den ersten Teil an, und obwohl bereits einige Jahre vergangen sind, werden sich sowohl Neueinsteiger als auch Leserinnen und Leser des Vorgängers gleichermaßen recht bald zurechtfinden.
Die fünf Jahre in der realen Buchwelt sind in der Handlung des Romanes nur ein Jahr: Ein Jahr, in dem die Hauptfigur Hannah Wester versucht hat, die Ereignisse des zurückliegenden Sommers zu verarbeiten, als sie unter anderem ihren Mann verlor und glaubte in der Frau, die ihn ermordete, ihre verschwunden Tochter Elin erkannt zu haben. Beides spielt auch in diesem zweiten Band eine zentrale Rolle (Schon aus dieser Ausgangslage erkennt man, dass alles was geschieht, den Protagonisten des Romanes auch persönlich nahe gehen wird).
In diesem Jahr recherchierte Hannah über die russische Profikillerin Katja und eine russische Mafiaorganisation, die sich „Die Akademie“ nennt.
Hannah kehrt ausgerechnet an jenem Tag in den Polizeidienst zurück, als ein totes Baby im Wald gefunden wird und wenig später eine tote junge Frau in einer nahegelegenen Hütte; keine Zeit für sie also für einen geordneten Wiedereinstieg in den Alltag. Denn während die Polizei von Haparanda noch versucht herauszufinden, ob es sich um ein Verbrechen handelt, ist im Verborgenen bereits eine Jagd im Gang.
Dies ist der Beginn des Falles, der im Mittelpunkt dieser Geschichte steht. Schon bald finden sich Spuren, die darauf hindeuten, dass die Tote Begleitung gehabt haben muss – doch noch ist unklar, um wen es sich handelt. Diese zweite Person, als Leser habe ich einen Wissensvorsprung vor der Polizei, heißt Dardana, ist ebenfalls hochschwanger und weiterhin auf der Flucht. Wir erfahren, wie die Flucht verläuft und dabei viel über ihre Vergangenheit: Wie sie, die eigentlich von Moldawien nach Spanien zu einem gut bezahlten Job reisen wollte, stattdessen in Gefangenschaft von Menschenhändlern außerhalb von Haparanda geriet. Sie, wie viele andere junge Frauen, wurde entführt und gefangen gehalten, um Kinder für reiche Familien auf die Welt zu bringen.
Der Buchtitel „Farm der Mädchen“ ist somit schon ein sehr direkter Hinweis auf den Inhalt dieses Thrillers.
Das Verschwinden der beiden jungen Frauen kostet der Organisation viel Geld, weshalb sich gleich mehrere Handlanger auf die Jagd geschickt werden. Darunter auch Katja – ein erneutes Zusammentreffen mit Hannah zeichnet sich ab.
Auch über Katja liest man viel in diesem Buch. Wir erfahren, dass sie früher Tatjana Bogdanova hieß, aber auch das ist nicht ihr richtiger Name. Es ist noch nicht lange her, dass sie erfuhr, dass sie schon zwei Jahre alt war, als sie zur Familie Bogdanova kam und bis zu ihrem achten Lebensjahr dort in ihrer persönlichen der Hölle leben musste, bevor „Onkel“ sie rettete und zur Akademie brachte. in der „Akademie“ wurde sie zur perfekten Killerin ausgebildet. Nach dem Misserfolg ein Jahr zuvor, bekommt sie jetzt die Chance sich zu rehabilitieren – indem sie die für die Organisation fatale Lage in Haparanda bereinigt.
Rosenfeldt wechselt immer wieder die Erzählperspektive: zwischen den Ermittlern, den Opfern und den Tätern und das erzeugt viel Spannung durch die Gleichzeitigkeit der Ereignisse, während sich alles immer schneller aufeinander zuläuft.
Zwar bewegt sich die Handlung auf vielen Ebenen vorwärts und vermengt dabei Rückblicke mit Gegenwart, doch verliert man dabei nie den Überblick über das Gesamtgeschehen. Was man über zurückliegenden wissen soll, um das aktuelle einordnen zu können, baut Rosenfeldt geschickt ein. Diese Rückblicke sind auch nötig, denn in den mehr als fünf Jahren, die vergangen sind seit ich Band 1 gelesen habe, ist meine Erinnerung daran doch schon sehr verblasst.
Die Spannung der Handlung entwickelt ständig weiter, gibt quasi kontinuierlich Gas und endet rasant.
Zusammengefasst ist „Farm der Mädchen“ ein Thriller, der mehr will als nur Spannung zu erzeugen – und das gelingt auch. Die immer detailreichere Charakterisierung der handelnden Personen und das allzu aktuelle Thema Menschenhandel und Ausbeutung von Frauen ergeben im Zusammenspiel mit dem routinierten Stil des Thrillerprofis Rosenfeldt eine toll gelungene Fortsetzung der Reihe.
Es ist nicht erforderlich, den ersten Band zu lesen, man wird sich auch ohne das Vorwissen hier gut zurechtfinden.
Am Ende weiß man: Die Reihe rund um Hannah Wester ist gekommen, um zu bleiben. Das unterstreicht auch der Cliffhanger, mit dem schon einen Ausblick auf Band 3 gibt.