Buchbesprechung/Rezension:

Anke Elisabeth Ballmann: Das Faultier-Prinzip
Wie Kinder in ihrem Lebenstempo gelassen und frei ihre Fähigkeiten entwickeln und die Welt für sich entdecken


verfasst am 20.03.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Ballmann, Anke Elisabeth, Sachbücher
LiteraturBlog Bewertung:

Über die Autorin:
Dr. Anke Elisabeth Ballmann setzt sich als Pädagogin und Psychologin seit langem für kindgerechtes Lernen und gewaltfreie Pädagogik ein. Die Spiegel-Bestsellerautorin war stellvertretende Leiterin eines Kindergartens, coacht Pädagoginnen und hält regelmäßig Fort- und Weiterbildungen. Auf ihrer Homepage www.lernmeer.de kann man noch viel mehr über sie erfahren.

Über das Buch:
Anke wird nach einem hektischen Seminar-Nachmittag von lauten Schluchzern aus einem Tagtraum geweckt. „Ich erstarre. An der metallenen Querstrebe meiner großen, bogenförmigen Stehlampe hält sich ein weinendes Faultier.“

Das Faultier Frieda kann sprechen und ist davon überzeugt, dass die Menschen nicht sehr intelligent sind und wenig Freude am Leben haben.

„Ich beobachte Menschen zwar noch nicht lang, aber ich habe genug gesehen. Es ist laut, es ist hektisch, ihr habt wenig Freude am Leben und lacht kaum, ihr beeilt euch immer. Hier scheint es nur um Geld, Macht und Erfolg zu gehen – und am besten alles auf einmal. Ihr schaut die meiste Zeit grimmig und habt an allem etwas auszusetzen. Auch eure Jungen, ihr nennt sie Kinder, haben kaum Spaß, nie Zeit, weinen viel zu viel, spielen wenig und scheinen oft überaus unglücklich.“ Ich lausche perplex. Dieses exotische Tier fasst perfekt zusammen, wie unsere Gesellschaft aussieht. Und es reflektiert Dinge, die auch mir immer öfter durch den Kopf gehen.“

Zwischen Frieda und der Autorin entwickeln sich interessante und tiefgründige Gespräche. Das Faultier möchte alles über das Leben der Menschen wissen. Im Gegenzug erfährt man auch ganz viel Interessantes über Faultiere.

Themen wie Freude am Lernen, Slow Parenting, die Wichtigkeit des Spielens, der Wettbewerb und das Konkurrenzdenken zwischen Müttern, Bildungsstress und der Druck, das Wunschkind müsse perfekt sein, usw. werden behandelt. So ist wohl der innigste Wunsch aller Eltern, dass ihr Kind glücklich, höchst gebildet, reich und schön sein soll.

Das Ziel des Buches ist es, Eltern zu vermitteln, wie sie gelassener werden, einen Kontrollwahn vermeiden und lernen, das anzunehmen, was ist. Weniger Leistungsdruck, jeder in seinem Tempo und mehr Entspannung heißt das Motto.

Friedas Weisheiten am Ende des Buches fassen das noch einmal gut zusammen.

Zusätzlich werden viele wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entwicklung des Kindes und zum Menschsein allgemein zitiert. 23 einschlägige Quellenangaben, die auf viele bekannte Wissenschaftler verweisen, finden sich am Ende des Buches.

Mein Fazit:
Das Buch ist in der Ichform geschrieben und vermittelt pädagogisch wertvollen und lehrreichen Inhalt auf humorvolle Art und Weise. Ich mochte den Schreibstil und die flotte Sprache von Anke Ballmann.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass das Buch zu sehr imSchwarz-Weiß-Denken verhaftet ist. Mehr Zwischentöne hätten mir gefallen, denn ich glaube persönlich nicht, dass sich Elternschaft und Menschsein wirklich großteils so gestaltet, wie in diesem Buch geschildert. Wenn doch, sollte daran schnell etwas geändert werden!

Das Wichtigste lässt sich wohl mit den Begriffen „Entschleunigung“ und „Fokussierung auf das Wesentliche“ zusammenfassen. Wie man das schafft und im Alltag umsetzen kann, erfährt man vor allem vom Faultier. Es geht ums Fördern ohne dabei zu überfordern. Das Wichtigste bei all dem ist und bleibt aber die Freude am Tun und das Vertrauen auf sein eigenes „Bauchgefühl“.

Inwiefern sich Eltern in der heutigen Zeit diesen enormen Leistungsdruck, der im Buch geschildert wird, machen, weiß ich nicht.

Wenn dem aber so ist, kann ich Eltern dieses Buch sehr ans Herz legen, um wieder Ruhe und Freude in den Erziehungsalltag zu bringen. Ganz nach dem Motto „Lass mal fünfe gerade sein“.




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