Fred Vargas: Der Zorn der Einsiedlerin

verfasst am 30.08.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Vargas, Fred

Eine Krimireihe, die seit dem Jahr 1991 läuft: da ist viel passiert, Charaktere haben sich entwickelt, regelmäßige LeserInnen haben die handelnden Personen und deren Eigenarten verinnerlicht. Ist dieser Krimi jedoch der erste, den man liest – so wie bei mir – dann erscheint vieles etwas befremdlich und unübersichtlich. Aber: selbst schuld, ich hätte ja schon früher damit beginnen können Adamsberg-Krimis zu lesen …

Das ist es somit, was mich in der ersten Hälfte des mehr als 500 Seiten dicken Romanes beschäftigt: wer gehört dazu, warum verhalten sich die Protagonisten genau so, wie funktioniert überhaupt das Team (die Brigade) von Kommissar Adamsberg. Während ich noch versuche, mit all dem zurecht zu kommen, sind auch schon, einfach so nebenbei, zwei Kriminalfälle geklärt und übrig bleibt nur noch der Fall mit den Einsiedlerspinnen.

Es ist ein, für mein Gefühl, typisch französischer Roman. So wie ich es auch bei französischen Filmen empfinde, schwingt dabei immer ein ganz eigener Unterton mit, der für Nicht-Franzosen ein bisschen Skurrilität, ein wenig an brüskierenden Umgangsformen und eine ungewohnte Lebens- und Ausdrucksweise beinhaltet. In diesem Roman kommt noch eine Mischung aus Fantasy und Esoterik dazu, was es nicht einfacher macht zu verfolgen, warum Adamsberg und seine Leute in der zu lesenden Weise agieren. Das alles abgesehen davon, dass mir das Zusammenwirken der Teammitglieder oftmals etwas befremdlich erscheint.

Ein somit insgesamt etwas mühevoller Einstieg in diesen Krimi, der damit beginnt, dass Adamsberg einen Kriminalfall dort sieht, wo zunächst die meisten seiner Mitarbeiter/innen nur Zufall erkennen können (oder wollen). Denn was soll es denn anderes als ein Zufall sein, dass in einer kurzen Zeitspanne gleich drei ältere Männer durch Spinnenbisse zu Tode kommen. Doch Adamsberg hat Visionen, blickt durch Nebel, „sieht“ Dinge (wenn das nicht Fantasy ist!) und stößt bald auf Hinweise, dass es sich um zusammenhängende Taten handelt.

Die Täter sind Angehörige einer Jugendbande, die in den 1940ern die anderen Bewohner ihres Jugendheimes drangsalierten, quälten. Das führte bis zur Verstümmelung einiger ihrer Opfer. Doch Rache kennt kein Ablaufdatum und damit scheint sich immer klarer abzuzeichnen, dass aus den Opfern von damals nun die Jäger und Henker ihrer Peiniger geworden sind.

Fred Vargas` Romane haben viele Krimipreise in Frankreich und in Deutschland geholt. Genau das war der Grund, warum ich diesen Roman lesen wollte. Anscheinend aber habe ich den falschen für den Einstieg in die Welt des Kommissars Adamsberg gewählt.

Die Handlung ist unglaublich konstruiert, sie verliert sich immer mehr in unwirklichen Szenerien, Träumen und sehr, sehr zufälligen Zufällen – Fantasy eben. Dabei ist aber zur Mitte des Romanes schon völlig klar ersichtlich, wer hinter dem Rachefeldzug steckt. Nur eben das wie und warum braucht dann noch alle möglichen Umwege und allzu schräge Konstruktionen, damit der Roman zu seinem Ende kommen kann.

Zu viel rundherum, zu verdreht konstruiert, zu wenig Spannung.

PS: das ist meine sehr subjektive Sicht. Ich bin absolut sicher, dass LeserInnen, die schon lange Fans der Adamsberg-Krimis sind, zu einer gänzlich anderen Bewertung dieses Buches kommen werden.



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