Remigiusz Mróz: Die kalten Sekunden

verfasst am 21.05.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Mróz, Remigiusz, Thriller

Vor zehn Jahren zersprang die so gut geplante Welt von Damian Werner in 1000 Scherben. Damals, er er mit seiner ewigen Jugendliebe Ewa von fünf Männern überfallen wurde. Damals, als er Ewa zu letzten Mal sah und sie nie wieder gefunden wurde.

Jetzt, 10 Jahre später, stößt Damian auf ein Bild von Ewa auf einem Social-Media Kanal. Ganz klar erscheint es ihm, da, auf dem Foto, steht die etwas älter gewordenen Ewa. Und das wirklich erschütternde daran: das Bild wurde einen Tag zuvor, ganz in seiner Nähe aufgenommen.

Was folgt, das sind zwei Geschichten, die nebeneinander her laufen. Unabhängig voneinander und doch miteinander verwoben. Damian, der die Suche nach Ewa aufnimmt und sich von seinem besten Freund dazu überreden lässt, ein Detektivbüro einzuschalten. Und Kasandra Reimann, die das beauftragte Detektivbüro leitet, das ihrem Mann gehört; die Beziehung dieser beiden ist voller Schrecken, voller Demütigung und Verzweiflung.

Manche Wendungen in der Handlung muten zunächst etwas seltsam an, doch insgesamt und vor allem im später deutlich werdenden Zusammenhang, bleiben sie alle schlüssig und und bringen die Spannung Schritt für Schritt weiter voran. Eine Spannung, die sich in den beiden Teilen des Buches, den beiden Geschichten, erst langsam dann immer rascher und unwiderstehlich aufbaut.

Das Wort unwiderstehlich verwende ich ganz bewusst, denn auf diesen Thriller trifft das WIRKLICH zu.

Das Auftauchen des Bildes von Ewa im Internet ist, Damian ist sich dessen bald völlig sicher, nicht zufällig; vielmehr versucht sie, ihm auf diesem Weg etwas mitzuteilen. Wie konnte sie zehn Jahre lang verschwunden bleiben; wie konnte sie nun plötzlich wieder auftauchen; und: ist sie nun am Leben oder wurde ihr Leichnam auf einer Insel im Fluß gefunden? Entdeckungen in der Gegenwart treffen zusammen mit Enthüllungen über die Vergangenheit.

Während der Teil des Buches mit Damian und Ewa unglaublich spannend wird, ist der Teil mit Kasandra unglaublich erschütternd. Denn Kasandra lebt in einer Beziehung voller Gewalt, aus der sie nicht entfliehen kann. Wie Remigiusz Mróz über diese Stunden, diese Nächte voller Demütigung schreibt, das ist beinahe schon ein eigener Roman im Roman, der die Leser/innen in bestürzt und ungläubig miterleben lässt, wie brutal es hinter der scheinbar so schönen Fassade einer Ehe zugehen kann. In diesen Kapiteln überrschreitet der Thriller die Grenze zwischen Fiktion und brutaler Realität; wenn nämlich das Thema der häuslichen Gewalt gegen Frauen in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit über die Leserin/den Leser hereinbricht.

„Die kalten Sekunden“ ist ein raffiniert komponierter Psychothriller: Es baut sich unglaublich viel auf, das einem unabsehbaren Finale zustrebt.

Remigiusz Mrózhat in Polen bereits eine ganze Reihe von äußert erfolgreichen Romanen in verschiedenen Genres veröffentlicht, die teilweise auch verfilmt wurden. Er gilt als der populärste zeitgenössische Autor Polens; und wenn man diesen Thriller liest, dann kann man den Erfolg in seiner Heimat sehr gut verstehen; der wird, so meine ich, auch im deutschsprachigen Raum nicht lange auf sich warten lassen.


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