Joaquim Maria Machado de Assis: Das babylonische Wörterbuch

Ein Schriftsteller, der mir bisher völlig unbekannt war; und einer, der bei uns in Europa überhaupt weitgehend unbekannt ist. Joaquim Maria Machado de Assis, Brasilianer, Nachkomme freigelassener Sklaven, lebte von 1839 bis 1908. Neben einigen Romanen schrieb er vor allem Erzählungen. Einige davon sind in diesem Buch veröffentlicht.

Das möchte ich gleich zu Beginn festhalten: ich muss dem Manesse-Verlag dafür danken, diese unbekannten Schätze gehoben zu haben. Denn für mich ist Machado de Assis eine wunderbare Entdeckung.

Seine Erzählungen, 13 an der Zahl aus den Jahren 1882 bis 1906, sind voller Esprit und Tiefgang, Fantasie und Überraschung. Thema sind oft die Abgründe menschlicher Seelen, von Eifersucht und Missgunst, genauso wie  Zuneigung und Standhaftigkeit. Breiten Raum nimmt sich in den Erzählungen auch die Religion im weiteren Sinne, mit deren Dogmen Machado de Assis spielt und dabei die Geschichten aus der Bibel quasi auf den Kopf stellt.

So ernst und dramatisch seine Erzählungen dabei gelegentlich auch sein mögen, er nimmt ihnen die Strenge durch an der passenden Stelle eingefügtes literarisches Augenzwinkern.

Ein wenig erinnern mich diese Geschichten in ihrem Einfallsreichtum, in ihrer Fülle an unvorhersehbaren Wendungen, an jene von Jose Saramago – und der hat immerhin den Literatur-Nobelpreis erhalten.

Das alles zusammen ergibt eine ganz eigenständige Mischung, die sich in kein Genre-Korsett zwängen lässt; ich bin begeistert und mache mich auf die Suche nach weiteren Werken Assis’.


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