Elliot Perlman: Tonspuren

verfasst am 20.05.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Perlman, Elliot, Romane

TonspurenVorab ein Hinweis – dieses Buch kann man nicht einfach einmal so lesen. Es bedarf  einer ziemlichen Konzentration und Ausdauer um den Faden nicht zu verlieren. Mein Rat:  soviel Zeit wie möglich darauf zu verwenden, um das Buch mit möglichst wenigen Unterbrechungen zu lesen.

Es ist ein erschütterndes Buch, das uns Elliot Perlmann mit Tonspuren in die Hand gegeben hat. Es umfasst die Lebensgeschichte von Menschen, die durch ihre Herkunft, seien es Juden oder Afroamerkianer, unendliches Leid erfahren mussten. Perlmann gibt uns Einblick in die Geschichte vom Polen der Kriegs-Ära, über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung in den 1960iger Jahren, bis in das New York der Gegenwart.

Anhand von Einzelschicksalen erinnert uns der Autor daran, dass es immer aktuell bleibt, nicht zu vergessen.  Geschichte lehrt uns, und die Gegenwart zeigt uns, dass sich vieles wiederholt. Die einzelnen Handlungsstränge führt Perlman am Schluss zusammen und zeigt damit die Verbundenheit der Schicksale der einzelnen Personen auf.

Ein Afroamerikaner, der nach einem Gefängnisaufenthalt versucht, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen, und der einem Holocaust-Überlebenden zuhört. Ein Geschichtsdozent, der um seine Karriere kämpft.

Lamont Williams konnte in einem Resozialisierungsprogramm in einer New Yorker Krebsklinik eine 6-monatige Probezeit absolvieren, mit der Aussicht, bei Wohlverhalten und guter Arbeit nach dieser Zeit als Angestellter übernommen zu werden. Hier lernt er den an Krebs erkrankten Henryk Mandelbrot kennen, der ihm seine Lebens-, seine Leidensgeschichte während der Nazi- und Kriegszeit erzählt. Ein erschütterndes Zeitdokument, geprägt durch von Menschen verursachte Grausamkeiten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern.  Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine Art Freundschaft, die vor dem Tod Mandelbrots dazu führt, dass dieser Lamont einen silbernen Leuchter, eine Chanukkia schenkt.

Adam Zignelik , ein anfangs erfolgreicher Historiker an der Columbia University, verliert seine Anstellung an der Universität. Durch Zufall findet er in einem Gespräch mit dem Vater eines Freundes, nach anfänglichem Zögern, neuen Anreiz an seiner Arbeit. Ziglenik  führt uns in das Amerika der 50iger Jahre. Ein von Diskriminierung, Brutalität, Erniedrigung gegenüber der schwarzen Bevölkerung  geprägtes Land. 

Durch Zufall gerät Zignelik  an Unterlagen eines Psychologen, der nach dem Krieg in Deutschland, in  den sogenannten Lagern für Displaced Persons , mit Hilfe eines damals neu entwickelten „Aufnahmegerätes“, Interviews mit  Holocaust Überlebenden gemacht hat. Die Schrecklichkeiten, die da geschildert werden, sind während des Lesens kaum zu ertragen. Sonderkommandos zusammengestellt aus Juden, die abkommandiert waren, um die Menschen, ihre eigenen Brüder und Schwerstern gruppenweise in die Gaskammern zu führen,   und letztendlich ihre toten Körper zu entsorgen.

Besonders aufwühlend ist die Schilderung des Aufstandes der Gefangenen im Vernichtungslager, die trotz der Ihnen drohenden Gefahren, sich gegen die SS Schergen wehrten. Die Grausamkeiten, mit denen der Aufstand niedergeschlagen wurde, ist unfassbar. Besonders weibliche Gefangene opferten sich und kamen unter grausamer Folter zu Tode.

Dr. Washington, Henryk Mandelbrots Ärztin in der Krebsklinik, Lamont Williams und Adam Zignelik kommen am Ende des Buches zusammen. Dr. Washington half Lamont seine verlorene Stelle in der Krebsklinik wieder zu bekommen. Lamont war verdächtigt worden, die Chanukkia gestohlen zu haben. Adam Zignelik traf Dr. Washingtons Großvater, der Captain bei einem Regiment afroamerikanischer Soldaten war, und so an der Befreiung von Konzentrationslagern mitgewirkt hat.

Das Ende des Romans mag dem hohen Niveau des Buches vielleicht nicht so ganz gerecht werden. Ich empfinde das als nicht störend. Die großartige Erzählkunst von Elliot Perlman lässt einem darüber hinweglesen.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor ein so aufwühlendes Buch gelesen zu haben.  Die zum Schluss angeführten Quellen für die beschriebenen Ereignisse der Vergangenheit sind die Bestätigung für die Wahrheit des Geschehenen.


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