Connelly, Michael: Sein letzer Auftrag

verfasst am 04.07.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Connelly, Michael, Thriller

Gerade einmal 40 Jahre alt und schon beim alten Eisen. Das passiert Jack McEvoy, der nach einem Besuch im Büro seines Chefs nur mehr der Ex – Polizeireporter der LA Times ist. Nr. 99 auf einer Liste mit 100 Namen, die zu kündigen waren. Doch anders als sonst üblich soll Jack nicht sofort seinen Schreibtisch räumen sondern zuerst noch seine Nachfolgerin einarbeiten.

Er nimmt das Angebot an, immerhin bekommt er dafür auch noch länger sein Gehalt ausbezahlt. Zwei Wochen lang ist er damit sozusagen das Kindermädchen von Angela Cook engagiert, soll ihr ein wenig beim Einstieg in den neuen Job helfen und ihr ein paar seiner eigenen Kontakte zu Polizei und Gerichten weiter geben.

Es ist genau auch der Tag, an dem er von seinem Rauswurf erfährt, an dem ein Anruf beim ihm landet. Nichts ungewöhnliches, eine Mutter beschwert sich darüber, dass ihr Sohn zu Unrecht in der Zeitung eines Mordes beschuldigt wird. Nichts ungewöhliches, wie gesagt, denn alle Täter sind prinzipiell unschuldig und alle ihre Mütter glauben daran.

In diesem Fall ist es aber ein wenig anders. Nicht, dass die vorhanden Fakten etwas anderes ergeben, aber Jack möchte zum Abschied noch eine richtige Bombe hinterlassen – eine Story, nach der sie ihm bei der LA Times bittere Tränen nachweinen werden. Da kommt ihm diese Mordgeschichte gerade recht.

Jack hängt sich hinein, nicht ohne dabei darauf zu achten, dass ihm Angela nicht die besten Informationen vor der Nase wegschnappt. Denn seine Nachfolgerin scheint gemeinsam mit seinem Boss ein falsches Spiel zu spielen um ihm, Jack, möglichst viele Kontakte und Stories zu entreissen, bevor er in die Wüste geschickt wird.

Doch so einfach geht das nicht mit Jack: der wittert die Hinterlist, wenn sie sich ihm nähert und ist immer einen Schritt voraus. Zuerst verschafft er sich die Unterlagen über die Einvernahme bei der Polizei und findet dort bald eine ganze Menge an Ungereimtheiten. Vor allem aber findet er kein Geständnis des angeblichen Mörders, vielmehr bestreitet der auch noch nach stundenlangem Verhör die Tat. Das klingt so ganz anders als die Pressemeldung des LAPD, aus der Jack ein paar Tagen zuvor die Meldung in der die LA Times machte.

Der nächste Schritt bringt ihn dorthin, wo die anderen ihn haben wollen – in die Wüste, nach Las Vegas. Denn dort gab es ein paar Monate zuvor einen ganz ähnlichen Fall wie den Mord in LA, ähnlicher Tathergang, ähnliche Spuren. ähnliches Opfer. Wenn es nun in beiden Fällen vielleicht nur einen Täter gab, dann ist der Mordverdächtige in L.A. wirklich unschuldig.

Es könnte eine Story werden, mit der Jack sich tatsächlich unsterblich machen kann. Oder auch sehr sterblich, denn die wahren Täter haben schon Witterung aufgenommen und folgen ihm.

Ein sehr solide gemachter Thriller. Bei jedem Satz merkt man die Routine, mit der Michael Connelly wieder zu Werke geht (wie viele Thriller hat er eigentlich schon verfasst?). Gut und Böse sind scharf voneinander abgegrenzt, der Gute ist der einsame Kämpfer für Recht und Gesetz und für die Unterdrückten. Und die Bösen sind ganz böse und scheinen immer einen Pfeil mehr im Köcher zu haben. Aber es wird schon: Zwischendurch steht der Gute am Abgrund, findet aber noch einen Helfer..

Das alles sorgt für dafür, dass es machmal recht spannend ist und dass sich der Roman flott durchliest. (inklusive Querlesen). Das  – gemeint ist die Routine – sorgt auch dafür, dass nichts wirklich Überraschendes passiert und dass sich deshalb die Spannung auch nicht in gesundheitgefährdende Sphären ausbreitet – Blutdruck-Hochtreibfaktor = Null.

Vieles wird thematisch gestreift – Krise der Zeitungen, Jobabbau, Internetkriminalität, Hacker, Netzwerke, etc., etc. –  aber nichts wird vertieft. Das ist gut für die Nerven und lässt auch nach der Lektüre noch einen entspannten Schlaf zu (wenn nicht schon zwischendurch).



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