DeLillo, Don: Der Omega-Punkt

verfasst am 20.03.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: DeLillo, Don, Romane

Der Omega-PunktNun, einfach wird das jetzt nicht. Nicht einfach darüber zu schreiben, weil es schon beim Lesen nicht einfach war.  Meine Annahme dazu: ohne Wissen über frühere Werke, ohne ergänzende Worte von DeLillo selbst bleibt man am Ende mit der Frage über:  „was habe ich jetzt nicht verstanden und warum?“

Eine Inhaltsbeschreibung fehlt diesmal. Den so etwas wie Handlung gibt es nicht – zumindest nach meinem Verständnis nicht. Es ist keine Handlung, wenn sich jemand im Museum of Modern Art eine Installation von Hitchcocks „Psycho“ ansieht, in der der Film, tonlos, auf die Dauer von 24 stunden gedehnt wird.

Es ist keine Handlung, wenn ein junger Filmemacher – Jim Finley – den alten ehemaligen Berater der US-Regierung im Bush-Cheney-Öl-Irak-Krieg – Richard Elster – davon überzeugen will, für ihn in den Mittelpunkt seines nächsten Werkes zu treten und vor der Kamera über sich und das Wesen dieses speziellen Krieges zu erzählen.

Es ist auch keine Handlung, wenn dann die Tochter des alten Mannes – Jessica – auf Besuch dessen Hütte, mitten in der Einöde kommt.

Alles keine Handlung, denn das Buch ist eine Sammlung von geschriebenen Gedanken, Gedankensprüngen und Assoziationen. Weder gibt es einen Anfang noch ein Ende, es gibt keine Fragestellung und ergo auch keine Auflösung. Die beschriebenen Ereignisse erscheinen mir so etwas wie ein Zugeständnis an die Mindestanforderung durch den Verlag zu sein: wenn es ein Buch werden soll, dann braucht es Sätze, Kapitel und einen thematischen Rahmen. Also bekommt es das alles, wenn es unbedingt sein muß.

Man sitzt, sieht in den Himmel (oder man sitzt ewig lange im Stau und wartet)  und Gedanken und Erinnerungen fliegen vorbei, verschwinden wieder, man kommt vom einen zum nächsten, weiss am Schluß nicht, wie man darauf gekommen ist und wenig später hat man es schon wieder vergessen – das ist nicht Stil oder Inhalt des Buches, aber so kann ich es am besten für mich beschreiben.

Ich bin mir absolut sicher, dass es pro LeserIn dieses Buches jeweils eine andere Interpretation gibt, eine andere Bewertung. Für einige wird es Inspiration für eigene Gedanken sein, einige werden sich am Ende verwirrt zurück lehnen, einige werden keinen weiteren Gedanken daran verschwenden, einige werden, so wie ich auch, versuchen, sich Hintergundinformationen zu diesem Buch zu beschaffen, um den Sinn doch noch zu verstehen (bis jetzt vergeblich).


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