Rebecca Philipson: Killing made easy
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Buchbesprechung verfasst von: Andreas
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Wenn ein junger Mensch, ein Mädchen von 14 Jahren, ermordet wird, dann herrscht bei der Polizei Alarmstufe Rot. Die Öffentlichkeit verlangt rasche Aufklärung, die Medien stürzen sich auf jede kleinste Information, Zeugen tauchen auf, von denen man nicht weiß, ob sie sich nur wichtig machen möchten oder ob sie wirklich etwas zur Lösung beitragen können.
Der Mord an der 14-jährigen Charlotte Mathers löst jedoch noch mehr aus als gewöhnlich. Zunächst einmal ist da Samantha „Sam“ Hansen, die Ermittlerin mit einer der besten Aufklärungsquoten, die seit sechs Monaten nach einem traumatischen Vorfall im Dienst außer Dienst ist.
Als sie von dem Mord erfährt, beschließt sie, sofort die Arbeit wieder aufzunehmen. Aber ist sie überhaupt in der Lage, mit dieser belastenden Situation fertigzuwerden? Sie versetzt sich gewissermaßen selbst wieder in den aktiven Dienst, die Leitung der Mordermittlung wird ihr allerdings nicht übertragen.
Stattdessen soll sich Sam um ein Detail bei diesem Verbrechen kümmern, das keinesfalls an die Öffentlichkeit gelangen darf. Noch mehr Presse, noch mehr Aufregung, vielleicht sogar Panik wären die Folge.
Bei diesem Detail handelt es sich um ein Buch, das bei Charlotte gefunden wurde: „Killing made easy“. Darin veröffentlicht Denver Brady, der sich selbst wohl für den erfolgreichsten Serienkiller aller Zeiten hält, eine Anleitung dazu, wie man jahrelang unentdeckt morden kann.
Während DI Tina Edris die Ermittlungen im Mordfall leitet, soll Sam herausfinden, wer sich hinter Denver Brady verbirgt. Unterstützt wird sie dabei von Trainee Detective Constable Adam Taylor.
Bei alledem ist zunächst noch völlig unklar, ob Denver Brady hier selbst am Werk war, ob jemand bewusst eine falsche Spur gelegt hat oder ob Charlotte das Buch aus einem ganz anderen Grund bei sich hatte.
Der Plan, dieses Detail geheim zu halten, scheitert allerdings schon bei der ersten Pressekonferenz. Charlottes Vater macht die Verbindung öffentlich – und in der Folge tritt genau das ein, was zu erwarten war: Die Polizei wird von einer ganzen Welle an Informationen, Hinweisen und angeblichen Geständnissen überrollt.
Mittendrin ist Sam, die in dieser aufreibenden Situation mehrfach nur knapp davorsteht, die Kontrolle zu verlieren. Hat sie sich doch zu früh wieder in die Arbeit gestürzt?
Überzeugend und klug konstruiert
Die Grundkonstruktion dieses Romans ist überraschend, originell und nach meinem Geschmack wirklich großartig gelungen.
Abwechselnd ist ein Kapitel aus Denver Bradys Buch und anschließend wieder ein Abschnitt über die Ermittlungsarbeit zu lesen. Dabei tauchen immer wieder kleine Querverweise auf. Zunächst meint man beinahe, das könnte Zufall sein. Dann wiederholt sich etwas, das Sam gerade in Bradys Buch gelesen hat, plötzlich in der Realität – oder umgekehrt erkennt sie darin Details, die sich tatsächlich genau so zugetragen haben.
Schritt für Schritt entsteht dadurch ein immer dichteres Netz an Informationen über Denver Brady, ohne dass deshalb klarer würde, welche Person tatsächlich hinter diesem Namen steckt.
Gerade dieses Buch-im-Buch-Prinzip macht einen großen Teil des Reizes aus. Denver Brady spricht seine Leser geradezu direkt an, gibt makabre Ratschläge und berichtet von angeblichen früheren Morden, während Sam versucht, aus genau diesen Erzählungen jene Kleinigkeiten herauszufiltern, mit denen sich seine Identität feststellen lässt.
Und natürlich bleibt ständig die Frage: Ist das überhaupt alles wahr?
Das Tempo nimmt immer weiter zu, die Konstruktion bleibt dabei aber durchdacht und für mich als Leser jederzeit überschaubar. Einige mehr oder weniger Verdächtige tauchen auf, stellen sich als falsche Fährten heraus, und trotzdem bleibt immer ein Zweifel, ob nicht vielleicht genau die gesuchte Person längst aufgetaucht ist.
Wie das alles beschrieben und zusammengebaut ist, hat mich sehr überzeugt.
Killing made easy ist Rebecca Philipsons erster Roman – aber er wirkt so ausgereift und durchdacht, als hätte sie darin schon die Erfahrungen aus einigen selbst verfassten Büchern einfließen lassen.
Ein wichtiger Bestandteil ist, dass Sam keine jener unerschütterlichen Super-Ermittlerinnen ist, die ihren Kollegen immer drei Schritte voraus sind. Ihre psychische Verfassung bleibt ein wichtiger Teil der Geschichte. Der Fall fordert sie zunehmend, gleichzeitig ist gerade ihr Wunsch, wieder die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu bekommen, einer der Gründe dafür, warum sie sich so hartnäckig in diese Ermittlungen verbeißt.
Ein Pageturner – auch wenn dieser Begriff ja schon etwas abgegriffen ist –, der mich durch seine raffinierte und zugleich schlüssige Konstruktion überzeugt hat.
Ein Thriller, den ich sehr empfehle!
PS: Richtig überrascht war ich, als plötzlich die Stadt Broadstairs erwähnt wurde. Dort war ich mit 14 und 15 Jahren zweimal im Sommer auf Sprachferien – und seither ist mir diese Stadt ganz sicher in keinem Buch mehr begegnet.